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9.2012




Basel : Wladimir Tatlin


  
Wladimir Tatlin · Matrose (Selbstbildnis), 1911, Staatliches Russisches Mus., St. Petersburg


Begonnen hatte er als Maler. Von Moskau und Pensa aus, wo er Kunst studierte, war er gleichsam im Fernstudium in die Schule der Pariser Kubisten gegangen, falls er nicht gerade zur See fuhr. Die frühe Malerei von Wladimir Jewgrafowitsch Tatlin zeugt von diesem Einfluss, aber die persönliche Begegnung mit Picasso liess Tatlin dann hinsichtlich der Malerei mutlos werden - und ersatzweise eine neue Bildform erfinden: Das ‹Konterrelief›, in dem die Flächenkunst Kurs auf die dritte Dimension nimmt. Revolutionär ist diese «befreite» Malerei als zweckfrei-abstrakte Komposition aus «armen» Materialien wie Blech, Glas, Holz und Kunststoff. Nach der Oktoberrevolution freilich ist künstlerische Zweckfreiheit für Tatlin passé. Zielhafen seiner Kunst ist jetzt die Wirklichkeit selbst, der menschliche Alltag. Fortan entwirft er Kleidung und Stühle, Schlitten und Öfen. «Der Künstler als Organisator des Alltagslebens» titelt er einen seiner Vorträge. Für die «III. Internationale» konzipiert er ein 400 Meter hohes Gebäude mit einem Gehäuse aus Stahlstreben und Spiralkurven, in dessen Inneren vier geometrische Glaskörper als Sitz der Regierung einer neuen Weltordnung nach kosmologischen Gesetzen um die eigene Achse rotieren sollten. Nicht minder künden Entwurfszeichnungen, Modelle und Fotografien seines Flugobjekts ‹Letatlin› von Tatlins himmelstürmender Fantasie.

Bis: 14.10.2012



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Ausgabe 9  2012
Ausstellungen Tatlin. Neue Kunst für eine neue Welt [06.06.12-14.10.12]
Institutionen Museum Tinguely [Basel/Schweiz]
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