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9.2012




Île de Vassivière : Champ d'expériences


von: J. Emil Sennewald

  
links: Bertrand Lamarche, Map, 2011, CIAP. Foto: Aurélien Mole
rechts: Evariste Richer, Jean Clareoudt, Berger&Berger, Champ d'exériences, 2012, CIAP © ProLitteris. Foto: Aurélien Mole


Als gewaltige schwarze Wand stand die Wolke über der pittoresken Landschaft des Limousin. Blitze malten ihre Umrisse, gefolgt von Donnergrollen. Ein Hagelschauer bedeckte die saftig grünen Wiesen mit Eiskugeln so gross wie Taubeneier. Und über all dem strahlte üppig ein Feuerwerk in das Dunkel der künstlichen Insel.
Marianne Lanavère hat den Termin für ihre erste Vernissage als neue Direktorin des Centre International d'Art et du Paysage (CIAP) gut gewählt. Sechzig Jahre ist es her, dass die Elektrizitätswerke hier einen See aufstauten und aus einem Hügel die Insel machten, auf der sich heute das Kunstzentrum, ein Landschlösschen und zahlreiche Skulpturen, befinden - von Ilya Kabakovs ausblicksreichen Toilettenhäuschen bis zu Veit Stratmanns hinderlichem Geländer mitten auf dem Waldweg. Das wurde mit Volksfest gefeiert. Man staunte über Skateboard-Akrobatik auf den organischen Schwüngen des phosphoreszierenden Parcours ‹Otro›, 2009, den Koo Jeong A in die Landschaft gestellt hat.
Im Zentrum selbst geht es spröder zu - typisch für die konzeptuell-romantische Arbeit der Kuratorin. Mit rund vierzig Arbeiten von 21 Künstler/innen, überwiegend Skulpturen und Fotografien, entfaltet sie eine ästhetische Argumentation zu Erfahrung/ Experiment mit Grundformen und -materialien. Eine künstlerische Analyse zur Landschaft, für die Julie Chaumettes in feine blaue Streifen zerschnittenes Himmels-Foto ‹Ciel›, 2011, Sinnbild ist.
Klug hat Lanavère Arbeiten mit Bezug zu Skulpturen auf der Insel (Andy Goldsworthy, Richard Long), zu ehemaligen (Rosa Barba, Hubert Duprat) oder kommenden Einzel-Ausstellungen (Evariste Richer, Peter Buggenhout) kombiniert. Noch ergänzt um die von Berger&Berger in ­futuristischem Stil zur Künstler-Residenz umgestalteten Räume des Landsitzes, wird der Ausstellungsbesuch zum inspirierenden Ausblick auf das Potenzial des geschickt kuratierten Zentrums. Im Pariser Vorort Noisy-le-sec, wo Lanavère zuvor das Kunstzentrum La Galerie leitete, konnte sie lernen, wie man Stadtpub­li­kum aufs Land lockt. Jetzt muss es auf die 60 km von Limoges entfernte Insel kommen. Wer den Weg unternimmt, wird mit anspruchsvollem Kunst-Programm in dramatisch artifizieller Landschaft belohnt.

Bis: 23.09.2012



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Ausgabe 9  2012
Ausstellungen Rosa Barba, Berger&Berger, Peter Buggenhout u.a. [08.07.12-23.09.12]
Institutionen Centre International d'Art et du Paysage [Ile de Vassivière/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
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