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9.2012




Nairs : George Steinmann


von: Gisela Kuoni

  
links: George Steinmann · Gelbes Gerüst, 2012 ©ProLitteris. Foto: Ralph Hauswirth
rechts: George Steinmann · Gelbes Gerüst, 2012, Tisch und Wand ©ProLitteris. Foto: Ralph Hauswirth


Kunst nicht um des dekorativen Effektes wegen, sondern vielmehr als sichtbares Ergebnis jahrelanger Forschung: George Steinmann zeigt im Kulturzentrum Nairs seine Arbeiten - farbige Bilder, bearbeitete Fotografien und eine faszinierende Installation.
Seit 1988 kennt Steinmann Nairs, wo er während zwei Jahren als Kurator arbeitete. Er kehrte immer wieder zurück und liess sich ein in die aussergewöhnliche Situation dieser Landschaft. Er hat sie sich zu eigen gemacht, hat Dinge entdeckt und gesammelt, die es nur hier gibt, Quellwasser, Sedimente, Steine, Flechten, Beeren, Blätter, Erde, Gestein - und anderes mehr. In vielen Arbeiten bezieht sich Steinmann explizit auf diesen Ort. Doch immer geht es ihm um ein Ganzes, um die grossen Zusammenhänge, die sich nicht auf einen Ort beschränken, sondern letztlich das ganze Leben umfassen und sich in komplexen Wechselbeziehungen gegenseitig beeinflussen. Man beginnt oben im Dachboden, wo in Texten und Bildern eine Arbeit am Bau an der ARA in Bern dokumentiert ist. Noch etwas ratlos erfährt man, wie der Künstler die dort verwendeten Baumaterialien mit homöopathischen Dosen von Unterengadiner Quellwasser «informiert» hat: ‹Kunst ohne Werk, aber mit Wirkung› (Titel G. Steinmann). Die «Wirkung» teilt sich dann eben unsichtbar mit, wenn der Bau ausgeführt ist.
Langjährige Forschungen und Studien begleiten sein Werk. In der darunterliegenden, lichterfüllten Halle ist eine ganze Wand mit monochromen Bildtafeln ausstaffiert. In verschiedenen Formaten, in erdigen Naturtönen, hell und dunkel, ocker, rotbraun, beige, anthrazit korrespondieren diese Pigmente aus der Umgebung von Nairs wunderbar mit dem grauen Steinboden. Einzelarbeiten zeigen Schraffuren, Durchblicke, sandige Flächen, immer randlos mit breitem Pinsel über die ganze Bildfläche verteilt. In zwei historischen Fotografien, mit Heidelbeersaft bearbeitet, erinnert Steinmann an einen Brand des Anwesens im vorletzten Jahrhundert. Von Sonnenlicht beeinflusste Papierarbeiten verweisen auf die Wirkung der Naturkräfte und der Zeit. Wie die Essenz der zahlreichen, höchst wirkungsvollen, überaus exakt gearbeiteten Bildtafeln steht in der Eingangshalle ‹das gelbe Gerüst› - ein einfacher Holztisch, auf dem sich nahtlos die Substanzen aneinanderreihen, die dem Künstler für seine künstlerische und ebenso forschende Arbeit dienen und die allesamt aus der Umgebung stammen: Eine Performance von Farben und Formen, Aggregatzuständen, Gefässen und Geräten, welche die Philosophie des Künstlers nachhaltig und eindrucksvoll darbietet.

Bis: 29.09.2012



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Ausgabe 9  2012
Ausstellungen George Steinmann [24.06.12-29.09.12]
Institutionen NAIRS Zentrum für Gegenwartskunst [Scuol-Nairs/Schweiz]
Autor/in Gisela Kuoni
Künstler/in George Steinmann
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