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Hinweis
9.2012




Rapperswil : ALMA


von: Irene Müller

  
links: ALMA · Die Spiegel, 2012, Schellack auf Gips/Öl auf Acrylglas, 2 x 2 x DIN A6 3-dimensional
rechts: ALMA · The band, 2010, Installationsansicht Kunst(Zeug)Haus, 2012


Vor fünf Jahren haben sie die Zusammenarbeit erneut aufgenommen, seitdem widmen sie sich wieder lustvoll dem künstlerischen Pingpong: Alf Hofstetter und Max Frei bzw. korrekterweise ALMA ist zurück, tiefgründig, ironisch und kaum gezähmt vom charakteristischen A6-Grundformat der Werke - ein Augenschmaus!
Wer Kleinteiliges, detailreiche ‹Miniaturen› oder signifikante Bilderpaare erwartet, wird ebenso wenig enttäuscht wie diejenigen, denen der Sinn nach panoramahaften Landschaften, komplex-verschachtelten Kompositionen oder Bilderrätseln steht. ALMA, die im Sprachgebrauch der Künstler eine weiblich-neutrale Kippidentität besitzt, bietet in der Ausstellung beides und noch viel mehr: Und zwar einen Einblick in 25 Jahre Kooperation, die sich sowohl organisatorisch als auch konzeptuell klaren Strukturen verschrieben hat, innerhalb derer ALMA Phänomene und Eigenarten unserer Lebenswelt ergründet. So simpel die Anlage ist, so bestechend und doppelbödig sind ihre Ergebnisse. ALMA bestreitet ihre Kunstproduktion im Dialog, einer der Künstler gibt mit einem Bild den Impuls, der andere reagiert darauf. Gleichsam in guter philosophischer Tradition schrauben sich Rede und Gegenrede, Frage und Antwort in die Höhe, wobei die selbst gewählte Beschränkung auf die Grundeinheit A6 und auch die klar gesetzten Werkkategorien für Bodenhaftung sorgen. Denn ausser den «freien» Arbeiten entstehen alle weiteren im Auftrag, wobei auch jede Ausstellung ein solches Mandat darstellt. Erweitert wird diese Arbeitsstrategie durch die 1989 gegründete Stiftung ALMA, die den Zusammenhalt d es Werks sichern soll. So finden sich in der Stiftung zu jedem Werk mindestens zwei Referenz-Arbeiten, die einerseits als unverkäufliche Werke die ‹alma mater› stetig erweitern, die andererseits aber auch als Archiv zu werten sind.
Die Ausstellung zeichnet thematische Linien nach: spezifische Orte, Landschaften und damit verbundene Vorstellungen, aber auch Gegenstände kollektiver (Bild-)Gedächtnisse, abstrakte Muster und Strukturen. Mit präziser Geste schält ALMA aus diesen Bildwelten gefühlsmässige Untiefen heraus und legt im lockeren Doppelpass-Spiel Lücken und blinde Flecken frei. Experimentelle Bildfindungen treffen auf altmeisterliche Aneignungen, objekthaft Ausgreifendes begegnet strengen, ornamentalen Rastern. Es ist eine Art ‹konzeptueller Eklektizismus›, der diese Arbeiten verbindet, und der in der Verschränkung einer doppelten, interagierenden Sicht auf die Welt eine dritte Position formuliert - weder Fisch noch Vogel, aber von prägnanter Identität.

Bis: 23.09.2012


ALMAMENTENKLANG, Konzert mit Luigi Archetti, Lionel Friedli, Mario Marchisella, Hansueli Tischhauser, Samuel Stoll u. a., anschliessend Wurst und Bier, 23.9., ab12 Uhr



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Ausgabe 9  2012
Ausstellungen ALMA. Frisch geladen [17.06.12-07.10.12]
Institutionen Kunst(Zeug)Haus [Rapperswil-Jona/Schweiz]
Autor/in Irene Müller
Künstler/in ALMA
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