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Besprechung
10.2012


Sabine Elsa Müller :  Kasper König gelang es in seiner zwölfjährigen Amtszeit, die museumseigene Sammlung um sage und schreibe 2'000 neue Werke zu erweitern. Achtzig davon wählte er für ein abschlies-sendes Statement aus, das nicht ohne Ironie den Kern jeder Sammelleidenschaft - den steten Wunsch - zum Motto macht.


Köln : ‹Ein Wunsch bleibt immer übrig›


  
Pawel Althamer · The Cameraman, 1995, verschiedene Materialien, 167 x 60 x 60 cm, Museum Ludwig, Köln


Der Kameramann auf der Treppe hat hoffentlich alles im Kasten: Pawel Althamers Arbeit von 1995 eröffnet nicht ohne Grund diese abschliessende Bilanzierung. Zusammen mit vielen anderen bildete sie 2001 im Rahmen der Ausstellung ‹Museum unserer Wünsche› den Grundstock für die Neuankäufe unter Königs Regie. Damals hatte der neue Hausherr unter Berufung auf die rheinische Tradition des bürgerschaftlichen Engagements den Einwohner/innen der Stadt eine Wunschliste präsentiert, die sie in die Verantwortung für eine mit den Entwicklungen der Kunst Schritt haltende Museumssammlung so charmant wie pragmatisch einbezog. Hatte er doch an seinen Direktorenvertrag die Regelung gekoppelt, den von der ­Peter und Irene Ludwig Stiftung zur Verfügung stehenden jährlichen Ankaufsetat von
€ 500'000 mit der Einwerbung privater Spenden zu verdoppeln, auf dass die Stadt als Dritte im Bunde denselben Betrag noch mal oben drauflegt. Somit ist ‹Ein Wunsch bleibt immer übrig› auch so etwas wie ein Rechenschaftsbericht und Dankeschön für das in ihn gesetzte Vertrauen. Und wie könnte es anders sein, das Haus ist gut bestellt! Der Rundgang ist eine schöne Herausforderung zum Dialog zwischen alten Bekannten mit nahezu Unbekannten oder bisher zu kurz Gekommenen.
In dieser offenen Versuchsanordnung können auch Arbeiten, die eben erst in anderer Konstellation zu sehen waren, ein neues Gewicht bekommen: Zoe Leonards amputierter Eiche ‹Tree›, 1997/2011, werden ihre beeindruckenden Fotografien zur Seite gestellt, und Jimmie Durham darf sich mit seiner packenden Installation ‹Building a Nation›, 2006, mitten in einer Durchgangspassage so ausbreiten, dass der Museumsbesucher fast zwangsläufig zum Mitspieler wird. Stephen Prinas rosafarbene, mit sanftester Musik einschmeichelnde Raumarbeit ‹The Second Sentence of Everything I Read is You: The Queen Mary›, 1979-2006, war bisher noch nie zu sehen: eine der vielen Arbeiten, für die allein zu kommen schon lohnen würde. Wer Kasper König bisher vor allem als Kenner konzeptueller Kunst einschätzte, ist überrascht über sein ebenso leidenschaftliches Bekenntnis zur Malerei und Fotografie: Die Palette reicht von William Eggleston, Poul Gernes, Peter Saul, Maria Lassnig, Andreas Schulze und ganz neuen, für einen Ankauf angedachten Arbeiten von Siegfried Anzinger aus der geplatzten Ausstellung in St. Peter bis zu den herrlich schnoddrigen Lackarbeiten des Schweizer Malers Marcus Geiger.

Bis: 04.11.2012



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Ausgabe 10  2012
Ausstellungen Ein Wunsch bleibt immer übrig [03.06.12-04.11.12]
Institutionen Museum Ludwig Köln [Köln/Deutschland]
Autor/in Sabine Elsa Müller
Künstler/in Pawel Althamer
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