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Besprechung
10.2012


Burkhard Meltzer :  Eine postmoderne Sommerparty: Sampling, Bricolage und Clubkultur werden als Gegenreaktion auf Konzepte der Moderne im Landesmuseum Zürich inszeniert. Die vom Londoner Victoria & Albert Museum konzipierte Schau wird in Zürich durch eine Reihe namhafter Schweizer Positionen ergänzt.


Zürich : Postmodernism, Style and Subversion 1970-1990


  
Trix und Robert Haussmann · Säulenstumpf, 1978/1982; im Hintergrund: Nathan Silver · Adhocist, 1968. Ausstellungsansicht Landesmuseum Zürich. Foto: Stephan Rappo


Aus drei Perspektiven rollt die Ausstellung eine visuelle Geschichte des Postmodernismus auf: Architektur, Clubkultur/Grafikdesign und Kommerzkritik. Dank permanent laufendem Discopop kommt dabei keine schlechte Laune auf. Es dominiert eine anglo-amerikanische Sichtweise, im Landesmuseum ergänzt durch Positionen wie Trix und Robert Haussmann, Mario Botta, Fischli/Weiss und Lady Shiva. Die Schau bildet eine vorerst letzte Etappe der vom V & A entworfenen Ausstellungstrilogie zur Designgeschichte des 20. Jahrhunderts. Hier beginnt auch schon das Dilemma: Einerseits möchte man nicht auf grosse historische Entwicklungslinien verzichten, andererseits eine kulturelle Strömung ausstellen, die sich mit Konzepten der Gleichzeitigkeit, Überlagerung und Übertreibung gerade gegen ein historisches Epochendenken gerichtet hat.
Ein raumhoch vergrössertes Foto der einstürzenden Sozialwohnungen von Pruitt-Igoe (1972, St. Louis) empfängt das Publikum. Der Blick auf das tragische Ende der architektonischen Moderne wird durch ein perspektivisch verzerrtes, abwechselnd weiss und metallisch glänzendes ‹Verspiegeltes Portal› von Trix und Robert Hauss-mann eingerahmt. Das Zürcher Designerduo setzte sich in den zwischen 1977 und 1984 als Edition produzierten ‹Lehrstücken› mit der Zitatkultur der Postmoderne auseinander. So entstanden im Stil des ‹manierismo critico› verschiedene, aufwändig mit Intarsien, Malerei und Spiegelementen hergestellte Möbelstücke als historische Architekturzitate in Gestalt eines Brückenschreibtischs, Säulenschranks oder einer Mauerkommode. ‹I should be so lucky, lucky, lucky, lucky›. Kylie Minogues Hit von 1988 bringt das postmoderne Dilemma auf den Punkt. Eigentlich sollten wir angesichts des gestalterisch inszenierten Festes glücklich sein. Kritik ist möglich, aber bitte als Party im richtigen Outfit. Die meisten Design-Exponate wurden bereits für einen Ausstellungskontext produziert und sehen im musealen Umfeld immer noch richtig gut aus. Die Postmoderne wirkt heute keineswegs beendet - ganz im Gegensatz zur Behauptung des Ausstellungstitels. Warum trotz vielfältiger zeitgenössischer Anschlusspunkte nun eine abgeschlossene historische Epoche daraus wird, bleibt ein Rätsel. Es erstaunt auch, dass die Transformation der Ausstellungsräume selbst seit den Siebzigerjahren hier nur innerhalb eines nachempfundenen Clubraums mit laufenden Musikvideos thematisiert wird.

Bis: 28.10.2012



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Ausgabe 10  2012
Ausstellungen Postmodernism. Style and Subversion 1970–1990 [06.07.12-28.10.12]
Institutionen Schweizerisches Landesmuseum [Zürich/Schweiz]
Autor/in Burkhard Meltzer
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