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Besprechung
10.2012


Katharina Dunst :  Unter dem Titel ‹sensing place. Zur medialen Durchdringung des urbanen Raums› zeigt das Haus für elektronische Künste elf Arbeiten, die sich mittels digitalen Technologien dem elek­tronischen Stadtraum annähern und die unsichtbaren, sich verdichtenden Datenströme in Kunst übersetzen.


Basel : ‹Sensing Place›, Elektronik, Kunst und die Stadt


  
Corinne Studer · fishbag - Art & Science out of the Riverbelly, 2012, Networked installation, media sculpture


Ausgangspunkt der Ausstellung ist der Befund, dass unser städtischer Lebensraum zunehmend, beinahe unmerklich von technologischen Datenströmen durchdrungen wird. Fast alle nutzen die immaterielle Informationssphäre, um schnell und effizient zu kommunizieren, Geld zu überweisen oder auf dem kürzesten Weg von A nach B zu gelangen. In der ersten Ausstellung der neuen künstlerischen Leiterin Sabine Himmelsbach am ‹Haus für elektronische Künste› können die Besuchenden die von unsichtbaren Flüssen geformten Topografien sehen, sich vom unerhörten Klang der Datenströme berauschen lassen, auf Stadtspaziergängen Filme schneiden oder sich von einem iPhone-App zu Umwegen verleiten lassen.
Gleich beim Eintritt ins elektronische Museum empfängt uns ein hell leuchtendes, kristallines Objekt mit dem Titel ‹fishbag - Art & Science out of the Riverbelly›. Die Arbeit der Baslerin Corinne Studer registriert über sogenanntes ‹biomonitoring› Verhaltensänderungen von Fischen. Der Titel verrät es, Kunst verbindet sich, nicht nur in dieser Arbeit, mit Wissenschaft und stellt damit eine sogenannt ‹augmented reality› her. Der banalen Wirklichkeit wird Sichtbarkeit und dem mehr oder weniger vergifteten Leben von Flussfischen Aufmerksamkeit beschert.
Ebenfalls schön geformt und leuchtend zeigt sich ‹Satellite Daylight, 46°28'N› des Künstlerkollektivs fabric aus Lausanne. Zwei Architekten, ein Nachrichtentechniker und ein Informatiker beschäftigten sich in der gezeigten Arbeit mit der Visualisierung des sich unter meteorologischen Bedingungen ändernden Sonnenlichts. In Echtzeit übermittelt ein Satellit Messdaten zur unterschiedlichen Leuchtkraft der Sonne entlang des Breitengrades 46°28'. Wie stark die Städte dort beschienen werden, wird an einer Leuchtstoffröhrenskulptur sichtbar, die uns teilhaben lässt an der entfernten, jedoch elementaren Erfahrung der Sonne am Himmel.
Andere Projekte lehnen sich an situationistische Praktiken an und entwerfen «alternative» Landkarten. Emotionsdiagramme oder Trash-Trackings überlagern in aufwendigen Computergrafiken ordinäre Strassenkarten und erinnern daran, dass es neben der elektronischen Informationssphäre noch andere Parameter gibt, die unser Verhalten in einem urbanen Umfeld beeinflussen. Dennoch forscht die elektronische Kunst nach wie vor primär an ihren eigenen Bedingungen, codiert und übermittelt und entlässt deshalb das Publikum mit einem kleinen Manko an Inhalt, Ironie und Selbst­reflexion.

Bis: 11.11.2012



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Ausgabe 10  2012
Ausstellungen Sensing Place [31.08.12-11.11.12]
Video Video
Institutionen HeK Haus der elektronischen Künste Basel [Basel/Münchenstein/Schweiz]
Autor/in Katharina Dunst
Künstler/in Corinne Studer
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