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10.2012




Berlin : Hungry City


von: Miriam Wiesel

  
links: Agnes Denes · Wheatfield - A Confrontation: Battery Park Landfill, Downtown Manhattan, 1982
rechts: Kristina Leko · Von Milch und Menschen, 2003


"Ich bin gerne Bauer und moechte es gerne bleiben." Im Zuge von Landflucht und Hoefesterben mag dieser Wunsch - Titel eines Projekts (2000/2008) von Antje Schiffers und Thomas Sprenger - rueckstaendig-naiv klingen, sind es doch die vergangenen 50 Jahre, in denen sich der Umbau der Landwirtschaft zu Monokulturen und maschinengerechter Landschaft vollzogen hat. Aus Landwirtschaft wurde Agroindustrie, aus Agroindustrie Agrobusiness. Scheinbar muehelos werden heute riesige und immer weiter wachsende Staedte von einem globalen Hinterland mit Nahrung versorgt. Dabei bleibt die Art und Weise, wie wir uns ernaehren, nicht folgenlos: Welche Auswirkungen hat der staedtische Hunger auf das Land?
Mit 19 ausgewaehlten Projekten deckt die von Anne Kersten kuratierte Ausstellung den genannten Zeitraum ab. Schon in den Sechzigerjahren uebte KP Brehmer beissende Kritik am westlichen Fleischkonsum (, o.J.). Der Fotograf Heinrich Riebesehl hingegen konservierte in seinen , 1977-1979, eine untergehende Welt. Ganz anders die hierzulande eher unbekannte US-amerikanische Landschaftsarchitektin und Performancekuenstlerin Bonnie Ora Sherk: Mit (1974-1980), dem ersten Stadtbauernhof in San Francisco, schuf sie ein "Pionierwerk der urbanen Landwirtschaft". Fast archaisch wirkt dagegen das Bild der gebuertigen Ungarin Agnes Denes (*1931), die in einem von ihr angelegten Weizenfeld (, 1982) vor der Kulisse Manhattans steht. Zwei Versuche, die Nahrungsversorgung wieder in oder an die Stadt heranzuholen.
Die juengeren Arbeiten beschaeftigen sich mit der globalisierten Nahrungsproduktion (Jekaterina Anzupowa, , 2007/08), dem von der EU-Agrarpolitik ausgeuebten oekonomischen Druck (Kristina Leko, , 2003), den Gewaechshaeusern und Laboratorien (Eve K. Tremblay, , 2006). Von Widerstaendigkeit sprechen die Arbeiten der schwedischen Bauern- und Kuenstlergruppe Kultivator (, 2012), von Łukasz Skapski, der die selbst gebauten, bisweilen abenteuerlichen Traktoren polnischer Kleinbauern filmt, oder von Fernando García-Dory, der im Norden Spaniens eine Schäferschule gründete, um den Pastoralismus als Wirtschaftsweise überlebensfähig zu halten.

Bis: 28.10.2012



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Ausgabe 10  2012
Ausstellungen Hungry City [01.09.12-28.10.12]
Institutionen Kunstraum Kreuzberg/Bethanien [Berlin/Deutschland]
Autor/in Miriam Wiesel
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