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Hinweis
10.2012




Limoges : Inouïe!


von: J. Emil Sennewald

  
links: Rolf Julius · Stone alone (Pierre seule), 1993-2003, Tweeter, Stein, CD-Lesegerät, Audio-CD, 9 x 6 x 6 cm Tweeter: ø 6 cm, Stein: 7 x 4 x 4 cm
rechts: Christian Marclay · Graffiti Composition, 2002, Papier, Farbe, Bilder: 150 x 33 x 21,5 cm, Kassette: 35,35 x 24,1 x 7,6 cm


Es gehe ihm, sagte der schüchtern wirkende, kleine grauhaarige Herr, um Landschaften. Solche, die im Inneren entstehen, aus Klang und Bildern. Und dann zeigte er mit fast frechem Vergnügen auf die winzigen Lautsprecher, schwarze Punkte auf der Galeriewand. Ich hatte kaum die Töne gehört, die von ihnen ausgingen. Jetzt wurde mir klar, dass sie unser Gespräch untermalt hatten - oder sogar geformt? Rolf Julius, der stille Pionier minimalistischer Klangkompositionen (*1939, Wilhelmshaven), starb am 21. Januar 2011, nur ein halbes Jahr nach dieser Begegnung in der Galerie Cortex Athletico in Bordeaux. Diesen bleibenden Eindruck teile ich mit Yannick Miloux, dem Direktor des FRAC Limousin: «Als ich mit 18 das erste Mal nach Berlin reiste», erzählt er inmitten leise zirpender Klanginstallationen, «lernte ich ihn bei einem seiner Konzerte kennen. Durch ihn bin ich zur aktuellen Kunst gekommen.» Nach Jahrzehnten der Freundschaft kann Miloux heute die grösste öffentliche Sammlung von Julius' Werken bereithalten. Nun hat er neuere und zeitgenössische Künstler zur Hommage versammelt. Präzise und ohne erläuternde oder illustrierende Bezüge sind sie rund um eine kleine Auswahl aus Julius' Werken gruppiert: Tontöpfe, in denen Mohnsamen auf einem Lautsprecher zur leisen Musik hüpfen, Granitsteine, Spiegel, Eisenstaub, aus denen aus Alltagsgeräuschen komponierte Stücke klingen. Die höchst persönliche und kluge Auswahl öffnet Blick und Ohren. So tritt Andreas Doblers grosse zackig-schwarze Zeichnung am Eingang, ‹Memory cave›, 2002, in Resonanz zu Julius' zerbrechlich-schönen Partitur-Zeichnungen, von denen sieben aus den Jahren 1996 bis 2000 ausgestellt sind. Inhaltlich-methodische Nähe erzeugt auch mit anderen Werken, wie jenen von Christoph Rütimann oder Steven Pippin, ein visuelles Gespräch über die Möglichkeiten von Bild und Klang. Resonanzen, die Neuentdeckungen wie das Konzert aus metallenen Klapper-Robotern, ‹Sans titre, Multiplex›, 2008, von Laurent Terras. Dessen Rhythmus zu hören, während man den bunten Wolken der ersten von Benjamin Hocharts «akustischen» Zeichnungen, ‹Dodecaphonies 1›, 2007, zuschaut, lässt noch einmal jene inneren Landschaften entstehen, zu deren Erkundung Rolf Julius' Kunst einlädt.

Bis: 03.11.2012



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Ausgabe 10  2012
Ausstellungen Inouïe - Une expo-concert: hommage für Rolf Julius [22.06.12-03.11.12]
Institutionen Frac Limousin [Limoges/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Rolf Julius
Künstler/in Christian Marclay
Künstler/in Andreas Dobler
Künstler/in Christoph Rütimann
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