Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
10.2012




Luzern : Nouvelles boîtes!


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Eric Hattan · leftovers, Instant Sculpture, 2012, Tische, Holz, Courtesy Galerie Weingrüll, Karlsruhe. Foto: Stefano Schröter
rechts: Juan Muñoz · The Wasteland, 1987, Bronze, Stahl, Linoleum, Dim. variabel, Courtesy Marian Goodman, NY. Foto: Stefano Schröter


Der Titel ist ein Wortspiel. Jean Nouvel schuf vor zwölf Jahren im obersten Geschoss des KKL das Kunstmuseum Luzern als eine Folge von weissen Schachtel-Räumen. Ihre Gleichförmigkeit versucht der Kunst alles zu geben, wonach sie verlangt. Sie deckt aber auch auf, dass Nouvels «nudité des espaces» die Künstler/innen wohl befreit, sie aber auch in hohem Masse fordert. Es sind «nackte» Räume, Nicht-Orte, die erst durch die Kunst und die Menschen, die dieser Kunst begegnen, zu Orten werden. In ihrer zweiten Luzerner Ausstellung setzt sich die Direktorin Fanni Fetzer mit der Museumsarchitektur so auseinander, dass ihre Qualitäten oder eben Nicht-Qualitäten erfahrbar werden.
So unterstreicht Fred Sandbacks minimale Wollschnur-Installation von 1986 die lichte Grösse des grössten Museumsraumes, deckt aber auch auf, dass der perfekte White Cube wegen nicht wirklich konsequent gestalteter Decke, wegen störenden Feuerlöscher-Kästen oder Notausgangsleuchten eben Illusion bleiben muss. Eric Hattans ‹Instant Sculpture› presst mittels langen Stangen Möbelstücke an die Decke: Die prekäre Installation gibt der Höhe des Raumes ein ganz eigenes Gesicht. Mit der Installation ‹The Wasteland› integrierte Juan Munoz 1987 erstmals eine Bronzeskulptur installativ in einen Raum und gestaltete eine illusionistische Linoleum-Bodenarbeit. Nach Luzern gebracht hat Fanni Fetzer auch Nedko Solakovs ‹A Life (Black & White)› von 1998: Während der ganzen Ausstellungsdauer verwandeln angeheuerte Luzernerinnen und Luzerner den Raum abwechselnd malend vom White Cube in die Black Box. Bruno Jakob entlässt 12'000 ‹neugeborene Bilder› in die Luft des zentralen Raumes der Ausstellung: Er bleibt leer für die Besucher-Vorstellungen von «Sorge, Angst, Lust, Schmerz, Licht. Luft, Energie, Berührung...» (so Jakobs Kommentar). Im September wird er seine Bilder vor Ort in einer Performance mit Wasser malen.
Mit von der Partie sind ferner Stefan Burger, Adrian Esparza, Jim Isermann, Christian Kathriner, Kitty Kraus und Allora & Calzadilla - die letztgenannten, die an der Biennale Venedig 2011 im amerikanischen Pavillon für Aufsehen sorgten -, zur Finissage mit der Performance ‹Revolving Door› mit Tänzern des Luzerner Theaters. Fetzer traf eine sehr persönliche Künstlerwahl, die Ausstellung vermittelt ganz unterschiedliche Raumerlebnisse, welche die Besucher stark auf ihre eigene Reflexionsfähigkeit verweisen.

Bis: 21.10.2012



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 10  2012
Ausstellungen Nouvelles boîtes! [07.07.12-21.10.12]
Video Video
Institutionen Kunstmuseum Luzern [Luzern/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Eric Hattan
Künstler/in Juan Muñoz
Künstler/in Nedko Solakov
Künstler/in Bruno Jakob
Künstler/in Jim Isermann
Künstler/in Stefan Burger
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=1209191213238E2-19
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.