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Hinweis
10.2012




St. Gallen : Pipilotti Rist


von: Kristin Schmidt

  
links: Pipilotti Rist · Eine Spitze in den Westen - ein Blick in den Osten, 1992/1999, Audio-Video-Installation, Holz, Aluminium, Farben, Ursula Hauser Collection
rechts: Pipilotti Rist · Administrating Eternity, 2011, Audio-Video-Installation, Loop, 4 Projektionen, zwei bewegte Spiegel, Vorhänge, Stahlseile, Musik: Anders Guggisberg und P. Rist, Courtesy Hauser & Wirth und Luhring Augustine


Pipilotti Rist (*1962) bringt die ­inneren Bilder zum Fliessen. Kleines wird ­riesig. Grosses wird klein. Inneres kehrt sich nach aussen; Bilder stehen Kopf. Rists Video­arbeiten umfangen den Betrachter. Sie verlassen die zweidimensionale Projektionsfläche und wuchern über Wände, Boden und Decke. Rist erforscht Leib und Sinne und sprengt gleichzeitig die Raumgrenzen. Statt linearer Erzählungen vermitteln ihre Werke komplexe Raum- und Körpererfahrungen. Keine Falte ist zu tief, als dass sich die Kamera nicht ihren Weg bahnen könnte. Doch nie ist die Schweizerin voyeuristisch, nie stellt sie bloss. Liegt es an der Nähe, der Dimension? Daran, dass jeder ­Betrachter automatisch Teil des Gezeigten wird? Rist lässt die Distanz zwischen dem Körper des Betrachters und dem projizierten Körper schwinden - und sie entwickelt ihr Vokabular ständig weiter. Das Kunstmuseum St. Gallen zeigt dies anschaulich in einer gross angelegten Einzelausstellung.
Einzelwerke von Rist sind regelmässig in internationalen Grossausstellungen zu sehen und ziehen das Publikum mit ihrer punktgenauen Inszenierung und ihrer Opulenz in Bann. Dennoch oder gerade deswegen tut es gut, den Weg der Künstlerin in der Zusammenschau nachzuvollziehen, angefangen von den frühen Ein-Kanal-Videoarbeiten - so die mit künstlichen Blumen umrankten Schwarzweissmonitore in ‹Blumen für Scholastika›, 1994 - über die ersten Installationen bis zu einem eigens geschaffenen Farblabor.
Schon ‹Eine Spitze in den Westen - ein Blick in den Osten›, 1992, umfängt den Betrachter, aber noch bleibt das Videobild frontal und begrenzt. Bald breiten sich die Bilder zu Haupt und Füssen des Betrachters aus, oder er wird zur Symmetrieachse einer riesenhaften Spiegelung. In ‹Administrating Eternity›, 2011, wird er schliesslich in Bewegung versetzt und wandert durch einen wehenden Bilderwald.
Grösse und Präsenz der Videobilder lassen mitunter vergessen, dass Pipilotti Rist das Ver­hältnis umkehren kann. In ihren Rauminstallationen sind Videoprojektionen ein kleiner Teil des grossen Ganzen. Sie schwimmen über Teller oder verstecken sich inmitten dichter Objektlandschaften auf scheinbar beiläufig platzierten Bildschirmen.
Ebenso souverän wie mit der zeitgenössischen Technik vermag Rist auch mit den Alten Meistern umzugehen. Wie schon in Baden rückt sie die Sammlung des Hauses in den (farbenfrohen) Blick. Und ganz ohne Video geht es schliesslich auch: Blütenweiss und vielsagend lässt Rist eine Unterhosengirlande durch den Stadtpark wehen.

Bis: 25.11.2012



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Ausgabe 10  2012
Ausstellungen Pipilotti Rist [02.06.12-25.11.12]
Video Video
Institutionen Kunstmuseum St. Gallen [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Kristin Schmidt
Künstler/in Pipilotti Rist
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