Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
10.2012




Stuttgart : Rasterfahndung


von: Yvonne Ziegler

  
links: Sarah Morris · Dulles (Capital), 2001, Glanzlack auf Leinwand, 214 x 214 cm, Daimler Kunst Sammlung Stuttgart/Berlin. Foto: Jörg v. Bruchhausen
rechts: Thomas Bayrle · Telefonbau-Normalzeit, 1970, Siebdruck auf Karton, 89 x 70 cm, Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin © ProLitteris. Foto: Wolfgang Günzel


Selten erschliesst sich eine Ausstellung so intuitiv wie die Fahndung nach dem Raster im Kunstmuseum Stuttgart. Es ist eine Auswahl möglicher Positionen nach 1945, die von der Kuratorin Simone Schimpf pointiert gesetzt und über die Stockwerke hinweg sichtbar gemacht sind. Den Auftakt bildet ein Film von Sarah Morris, der das Raster der Grossstadt (Glasfassaden, Leuchtpanels, Zebrastreifen, Ampelanlagen) und die durch Strassen drängende Masse zeigt. Ordnung, Rasterauflösung und Chaos werden deutlich. Ein Wandtext gibt die beiden Lesarten der Schau vor: Das Raster als mehr oder weniger strenges formales Schema in der Tradition der konkret-konstruktiven Kunst und als allgegenwärtiges gesellschaftliches Charakteristikum, das die Medienwelt, die Datenerfassung und die Architektur durchzieht. Geschriebenes liegt zum Raster bislang nur wenig vor (von Rosalind Krauss, 1978; Hannah B. Higgins, 2009). Die Ausstellung macht anhand von Werken sowie von Künstleräusserungen im Katalog deutlich, wie vielgestaltig und allgegenwärtig Raster sind. Neben den erwarteten formalen Positionen von François Morellet, Piero Manzoni, Jan J. Schoonhoven oder Beat Zoderer überraschen dreidimensionale Arbeiten: die Bodenplatten von Carl Andre und Tim Stapel, die Gitterstrukturen von Sol LeWitt und Mona Hatoum und die begehbaren Räume von Gianni Colombo, Katharina Hinsberg und Esther Stocker. Sigmar Polkes Referenz an Carl Andre hängt neben dessen Bodenplatten und ein Werk mit Pantone- und RAL-Farbfächerkärtchen ist unmittelbar neben Gerhard Richters auf solchen Fächern basierendem Gemälde platziert. Immer wieder trifft man auf Entsprechungen, etwa zwischen den seriell angeordneten Etiketten von Peter Roehr und den durch wiederholte Anordnung eines Einzelmotivs geformten Gesichtern Thomas Bayrles. Auch die Zeichnung kommt nicht zu kurz, wenn sich Agnes Martin und Frank Badur gegenüberstehen. Ins Raster passende Arbeiten werden durch solche ergänzt, die aus dem Raster fallen, da sich Teile auflösen oder gepixelt zusammengesetzt sind (Katharina Gaenssler). Werke von Polke, Roy Lichtenstein und Tina Schulz reflektieren mediale Druckraster. Und man begegnet mehreren Überwachungskamerabildern und einem Film, der sämtliche Daten von Vorbestrafungen bis Herzinfarktrisiko seiner Protagonisten anzeigt. Mit Gitterstrukturen der Architektur und einem «Plattenbaulift» endet der Parcours.

Bis: 07.10.2012



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 10  2012
Ausstellungen Rasterfahndung [05.05.12-07.10.12]
Institutionen Kunstmuseum Stuttgart [Stuttgart/Deutschland]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Sarah Morris
Künstler/in Thomas Bayrle
Künstler/in Tina Schulz
Künstler/in Tim Stapel
Künstler/in Carl Andre
Künstler/in Katharina Hinsberg
Künstler/in Gianni Colombo
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=1209191213238E2-28
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.