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10.2012




Frances Belser und Franziska Koch


von: Stefan Wagner

  
links: Frances Belser und Franziska Koch · New Normal, 2012, Still
rechts: Peter Kamm, Jannis Marwitz, Philipp Schwalb, Christian Rothmaler · Schlagstock durch Aura kaufen, 2012, Ausstellungsansicht


Bereits 1984 bezog die Arbeitsgruppe Zürcher Bildhauer in Schlieren, gleich an der Grenze zur Stadt Zürich, erste Ateliers. Seit 2006 betreibt man auf dem von Blumen und Sträuchern überwachsenen Atelierareal einen aus Schaltafeln gezimmerten Ausstellungsraum - die Kunstkammer. In diesem Jahr hat der Künstler und Kurator Pascal Häusermann ein thematisches Konzept entworfen, mit dem der Raum bespielt wird. Unter der Überschrift ‹Conditio Humana› lässt Häusermann André Malraux' Konzept der «condition humaine» mit Bruce Naumans Skeptizismus an der «human condition» kollidieren. Die Kollision entwirft erwartungsgemäss keine scharfen Konturen. Stattdessen erzeugen Unschärfe und Irritationen eher eine Art intellektuelle Muckibude, in der sich das Faktische in vier Ausstellungsdurchgängen austoben darf.
Begonnen hatte das Ganze im Mai mit dem Maler Rixlöm, der eine Porträtserie entwarf, welche auf die Vereinzelung des Menschen schliessen liess, ganz im Gegensatz zu Malraux' Konzept der «fraternité». Im Juni trafen sich der alteingesessene Steinarbeiter Peter Kamm mit drei jugendlichen Hamburger Malern zu einer Neuinterpretation des Paragone-Streits, den die vier mit den Mitteln archaischer Ästhetik inhaltlich in der Arena gegenwärtiger staatlicher Repressionsfantasien austrugen.
Nun sind die Performerin Frances Belser und die bildende Künstlerin Franziska Koch an der Reihe. Ihr Film ‹New Normal› geht der Frage nach, unter welchen Lebensbedingungen sich der Mensch in der Gegenwart befindet, insbesondere hinsichtlich seiner Verfügbarkeit, die durch Technologie Bewährungsdruck und Stress hervorruft. «Die DNA des Grases unter meinen Füssen ist dieselbe wie diejenige meiner Mutter», sagt eine Stimme im Film. Die Künstlerinnen konstruieren damit einen Sehnsuchtszusammenhang, der so alt ist wie die Industrialisierung: Der Mensch muss seinen Weg zur Natur zurückfinden. Dabei führen sie eine neue Form, eine Art Gen-Esoterik ein, die nichts mehr mit der Arts & Crafts-Bewegung eines William Morris zu tun hat. Im Zeitalter der Informationstechnologie richtet sich die Aufmerksamkeit nach innen, auf den Informationsstrang des Lebens, dessen Zahlen neu zu interpretieren sind.
Schliesslich wird Ende September zum Abschluss der Bildhauer Beat Lippert einen Auftritt erhalten. Warten wir ab, welche Neuinterpretationen er zur Conditio Humana beisteuern kann.

Bis: 28.10.2012



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Ausgabe 10  2012
Ausstellungen Francis Belser, Franziska Koch [24.08.12-23.09.12]
Institutionen Kunsthalle Schlieren [Zürich/Schlieren/Schweiz]
Autor/in Stefan Wagner
Künstler/in Francis Belser
Künstler/in Franziska Koch
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