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Hinweis
10.2012




Zürich : Uncertain Practice


von: Dominique von Burg

  
links: Frank Bodin/Johannes M. Hedinger (HEBDO) · Hebo II, 2011-2012, Kinetic robot
rechts: Elisabeth Eberle · Artefakt I, Kugelschreiber auf Zerkrall Blütten, 2012, 56 x 76 cm, Plotterzeichnung


Wir hegen Aengste vor den unabsehbaren technologischen Entwicklungen, die uns ueberrollen und sich verselbststaendigen koennten, etwa in Form von entfesselten, uns beherrschenden Robotern. Nun halten herzige, kinetische Vertreter dieser Spezies Einzug in die neuen Raeumlichkeiten der Barbarian Art Gallery, gegenueber dem Loewenbraeu. Einer traegt ein Kreuz, ein zweiter betet auf muslimische Art und ein weiterer bewundert sich wie Narziss im See. Sie tragen die technoiden Namen und und sind hier erstmals zu sehen. Die beiden Schweizer Frank Bodin (*1962) und Johannes M. Hedinger (*1971, Mitglied von Com & Com) haben sie 2008 in Zusammenarbeit mit der ETH Zuerich (Institut fuer Robotik und intelligente Systeme, Prof. R. Riener) entwickelt auf der Basis eines in Japan produzierten High-End-Roboters fuer den Hausgebrauch. Beim interdisziplinaeren Kuenstlerprojekt hat sich die Maschine der kreativen Faehigkeiten bemaechtigt und vollzieht ihr im binaeren System angelegtes Schicksal autonom. Das ideale Setting fuer Figuren wie diese ist im neuesten computergenerierten Animationsfilm von Maya Vonmoos (*1953) angelegt. Durch eine Ovalform, vielleicht ein Fernrohr, blickt man in eine andere Welt. Vor dem Hintergrund von Planeten und Sternen rollen Scheiben auf uns zu, die den Geldterror veranschaulichen. Hinter sich oeffnenden Buerotueren erscheinen wellenartig auftauchende und sich wieder aufloesende Kaleidoskope, die in urbane Strukturen uebergehen. Untermalt von Krishnamurtis Stimme, thematisiert der aeusserst dicht komponierte, sehr kohaerente Film die Vergaenglichkeit.
Eine ebenfalls faszinierend skurrile Bilderwelt begegnet uns in Elisabeth Eberles Plotterzeichnungen, welche die Grenzsphaere zwischen Natuerlich- und Kuenstlichkeit ausloten. Sie geben synthetisierte Magnolienfruechte als vielfaeltige Metamorphosen oder neuartige Organismen wieder, die in ihrer Vielgestaltigkeit einen grossen Interpretationsspielraum eroeffnen. Ein Raetsel gibt uns Jso Maeders (*1957) Objekt auf. Mit einer wissenschaftlich anmutenden Versuchsanordnung gibt Maeder in Duchamp'scher Manier den transitorischen Zustand eines Kunstwerks wieder. Es weist keinen definitiven Charakter auf, zumal dem Kuenstler die Idee wichtiger ist als das Resultat. So thematisiert die Ausstellung das Transparente/Fluechtige des kuenstlerischen Prozesses und der prekaeren Arbeitssituation in einem experimentellen Feld.

Bis: 20.10.2012



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Ausgabe 10  2012
Ausstellungen Uncertain Practice [31.08.12-20.10.12]
Institutionen Barbarian Art [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Jso Maeder
Künstler/in Johannes M. Hedinger
Künstler/in Elisabeth Eberle
Künstler/in Maya Vonmoos
Künstler/in Frank Bodin
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