Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Fokus
11.2012


 Bis nach Europa schwappen die Gerüchte, dass in der Kunstszene von Los Angeles einiges rumort. Der nachfolgende Bericht aus der westlichen US-Metropole lädt generell zum Nachdenken über Museumsstrategien ein, über die Bedeutung von Populismus und Celebrity-Kult im Ausstellungsbetrieb.


Museumsstrategie - Nur die Oberfläche zählt


von: Doris Berger

  
Lady Gaga am Klavier von Damian Hirst und Francesco Vezzoli beim Sticken, Fundraising Gala, 2009


Aufruhr am Museum of Contemporary Art (MOCA): Der langjährige Kurator Paul Schimmel musste gehen, da die Kommunikation mit dem derzeitigen Direktor Jeffrey Deitch nicht funktioniert. Doch viel gravierender ist die neue Richtung, die Deitch einschlägt. Er fährt einen Kurs, der Populärkultur mit Populismus verwechselt. Alle gut recherchierten Ausstellungen mit langfristigem Wert (auch für die Lehre) wurden entweder abgesagt oder konnten kaum entstehen (so aktuell die Land Art-Ausstellung). Deitch setzt auf Breiten- statt Tiefenwirkung. Die Kombination beider Elemente wäre jedoch wünschenswert.
Nichts gegen Populärkultur, denn sie gehört spätestens seit der Pop Art zur Kunst, aber die Art und Weise, wie Deitch Celebrity Culture und Kunst verbindet, ist problematisch, zumal hinter der Oberfläche, dem offensichtlichen Auftritt der Artefakte, keine weitere Ebene geöffnet wird. Von der von Julian Schnabel kuratierten Dennis Hopper-Ausstellung über die riesige Graffiti-Show zur zuletzt präsentierten James Franco-Ausstellung sind es Shows, die teils sogar Besucherrekorde erzielten. Aber allein an Besucherzahlen kann man einen Museumserfolg nicht messen. Ein Museum hat auch eine edukative Aufgabe, es sollte einen gesellschaftlichen Diskurs pflegen und langfristige Strategien entwickeln. Darüber hinaus gibt es im MOCA eine fantastische Sammlung, die gepflegt und bearbeitet werden sollte.
Der Job eines Museumsdirektors hat in den USA weniger mit dem Kuratieren als mit Fundraising und generellen strategischen Fragen zu tun. Deitch fungiert jedoch vornehmlich als Kurator und scheint im selben Atemzug nicht viel von seinen international anerkannten Kuratoren zu halten. Neben Schimmel hat nun auch der Schweizer Kurator Philipp Kaiser das MOCA verlassen und wird als Direktor des Museums Ludwig in Köln seine Arbeit fortsetzen. Dass Deitch nicht vorhat, diese wichtigen Stellen neu zu besetzen, sondern mit Freelance-Kuratoren projektspezifisch auffüllen will, das kritisieren nicht nur die Presse, sondern vor allem auch alle Künstler/innen im Board. John Baldessari, Barbara Kruger, Catherine Opie und Ed Ruscha sind mit öffentlichen Statements gegen das aktuelle Programm zurückgetreten.
Jeffrey Deitch, der ehemalige Galerist, führt das Museum wie zuvor seine Deitch-Projects. Alles ist kurzfristig und wird schnell durchgezogen. Reflektion kommt dabei zu kurz. Dafür verlangen die «über Nacht» realisierten Ausstellungen grosse Budgets, obwohl es jetzt eher um den Aufbau eines soliden finanziellen Sockels gehen müsste. Das MOCA-Problem begann 2008 mit der finanziellen Krise und dem Rettungsversuch des Sammlers Eli Broad. Dieser hat seine Finger seither stärker im Spiel als von vielen erwünscht. Wir werden sehen, wie sich diese Institution weiterentwickelt. Wenn man der ganzen Geschichte etwas Gutes abgewinnen kann, dann das, dass momentan viel in den öffentlichen Medien über die Zukunft von Kunstmuseen in den USA diskutiert wird.

Doris Berger ist Kuratorin am Skirball Museum, Los Angeles. dberger@skirball.org


Finanzierung von Museen in den USA: Museen werden zum groessten Teil privat finanziert, oeffentliche Gelder gibt es kaum. Budgets werden wie folgt gesichert: Ueber Mitgliederkreise mit unterschiedlichen Beitragsklassen von Einzelmitgliedern bis zu mit jaehrlichen Einladungen zu ausgewaehlten "Leadership circle events", zudem ueber Stiftungen und private Geldgeber. Zustaendig sind Direktor/in- nen und Kurator/innen sowie "Fundraising"-Abteilungen, deren Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. So findet im MOCA jaehrlich eine Fundraising Gala statt: 2009 trat Lady Gaga mit einem von Damien Hirst dekorierten Klavier, einem von Frank Gehry designten Hut sowie dem stickenden Francesco Vezzoli auf; 2011 entwickelte Marina Abramovi



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 11  2012
Autor/in Doris Berger
Link http://www.moca.org
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=121019124759D91-3
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.