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Besprechung
11.2012


Verena Doerfler :  Gleich drei Ausstellungen - die eine im Haus für Kunst Uri, die anderen in Zürich und Basel - befragen das Sujet des Verbrechens. In Altdorf im ausgedehnten Rahmen der bildenden Künste, in Zürich im Kontext des Kriminalfilm-Genres, in Basel als Historie. Das Faszinosum am «Bösen» verbindet sie.


Altdorf/Zürich/Basel : Die Architektur des Verbrechens


  
Brigitte Zieger · Women are different from men, 2011, gedruckt mit eye-dust und glitter. Courtesy Galerie Odile Ouizeman und Galerie Weigand, Berlin


Im direkten Angesicht der Handfeuerwaffe entdeckt man das liebliche Glitzern. Es rührt vom Lidschatten her. Sieben Frauen, sieben Posen, jede einzelne eine Todesgerätschaft in der Hand. Gezeichnet und dann gedruckt - mit Lidschatten. ‹Women are different from men›, konstatiert Brigitte Zieger mit ihrer Bild-Serie. Ist das Gewaltsame, das Todbringende eine spezifisch «männliche» Angelegenheit? Wohl kaum. Trotzdem gibt es immer noch diesen Überhang - an Frauen, die sich in der Rolle des Opfers wiederfinden. Es gendert. Immer noch. Und immer wieder. Etwa wenn die Künstlerin Anneè Olofsson, schneewittchengleich auf einem Kissen aufgebahrt, an die hundert Zeitungsberichte über an Frauen begangene Gewaltverbrechen rezitiert: «He said it was an accident...». Oder wenn Joachim Schmid 180 Fotografien aus dem «Nachlass» eines Serienmörders präsentiert - ausnahmslos Frauen, so genannten ‹LA. Women›, ganze zwei davon mit heller Haut.
Im fast unheimlich lieblichen Uri zeigt das Haus für Kunst eine Ausstellung zum Verbrechen in den bildenden Künsten. 15 Positionen - eine Einkreisung des «Bösen» mit den Mitteln der Kunst. Das ist zuweilen sarkastisch, schauerlich, medienkritisch - oder auch sehr ästhetisierend, wenn sich etwa Philippe Perrin in grossformatigen Schwarzweissfotografien als mit Schusswaffen bestückten und von weiblichen Opferkörpern umrankten Künstler-Typus und «Täter» inszeniert - was an Film Stills im Stile des Film Noir denken lässt. Apropos Film Noir: In Schweizer Landen, so scheint es, hat das Verbrechen gerade so etwas wie Hochkonjunktur. Im Basler Historischen Museum findet eine Ausstellung zum Thema statt, ebenso im Zürcher Museum für Gestaltung, wo man auf den Kriminalfilm fokussiert - unter dem Motto ‹Verbrechen lohnt sich›. Dort wird sich u.a. eine eigene Sektion dem Subgenre des Film Noir widmen, wird mittels Film Stills, Szenebildern und Requisiten nach den «menschlichen Beweggründen eines Verbrechens» geforscht, und werden die Figuren des «Detektivs, der Serienkillerin oder des Auftragsmörders» inspiziert. Nach der Flucht des Verbrechens in die Sphären der Finanzwelt hat das ja schon fast was Beruhigendes: So «echte» böse Mädchen und ­Buben, die man belangen kann...


Bis: 26.05.2012



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Ausgabe 11  2012
Ausstellungen Bang! Bang! Tatort Kunst [08.09.12-18.11.12]
Video Video
Ausstellungen Verbrechen lohnt sich: Der Kriminalfilm [02.11.12-10.02.13]
Institutionen Haus für Kunst Uri [Altdorf/Schweiz]
Institutionen Museum für Gestaltung [Zürich/Schweiz]
Autor/in Verena Doerfler
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