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Besprechung
11.2012


Gisela Kuoni :  Mit Landschaftsmalerei im weitesten Sinn befasst sich die Ausstellung von Rémy Zaugg und Adrian Schiess. Gleichzeitig knüpft die dialogische Schau unerwartete Bezüge zur Sammlung und den Museumsräumen. Das Bündner Kunstmuseum ist neu zu entdecken.


Chur : Rémy Zaugg und Adrian Schiess


  
Adrian Schiess ·Butterfly, 2012, Inkjet auf Aluminiumverbundplatte, 220 x 300 cm, Ausstellungsansicht Bündner Kunstmuseum, Chur. Foto: Stephan Schenk


Nach dem Auftakt im Untergeschoss: ‹Präparat Bergsturz - Konservierte Bewegung›, einer Ausstellung zum von Naturgewalten geprägten Lebensraum Graubündens, geht der Bezug zur Natur im Erdgeschoss weiter: Acht Stunden stand Rémy Zaugg (1943-2005) am 19. August 1988 im Rahmen von FurkArt auf der Passhöhe und malte: Eine grosse weisse Leinwand war das Resultat, mit Verwerfungen, Rissen, Flecken und Schatten - gestaltet von Pinsel und Witterung: Pleinair-Alpenmalerei vom feinsten. Eine Videoaufzeichnung hielt das Geschehen fest. Zum ersten Mal ist Zauggs Arbeit nun in Chur zu sehen, in einer kleinen intimen Kabinettausstellung, täglich genau während der Mal-Zeit von 10 bis 18 Uhr.
Adrian Schiess (*1959), der oft auf seine ‹Flachen Arbeiten› reduziert wird, steht mit einer einzigen grossen Bodenarbeit im Dialog mit Augusto Giacomettis farbigen Abstraktionen. Spiegelungen auf dem farbenreichen Malgrund der lackierten Platte korrespondieren aufs schönste mit der ‹Fantasie über eine Kartoffelblüte› und andern Arbeiten Giacomettis. Kleinformatige bunte Tafelbilder entstanden in Südfrankreich in wild gemischter Technik. Sie erklären den Ausstellungstitel ‹Nizza schön, 14°›. Im Untergeschoss zeigen die Fotografien, alles Unikate, ihren malerischen Charakter. Mit der Kamera hält Schiess zufällige Ateliersituationen oder ein Detail auf einer Leinwand fest und gestaltet daraus Blumenbilder in abstrakter Verwischung.
Gänzlich neu und überraschend präsentiert sich der Hauptausstellungsraum. Sämtliche Stellwände sind entfernt, durch die Fenster fällt Tageslicht und man befindet sich plötzlich in einer Art grossem Künstleratelier, in welchem nahezu wandfüllende Leinwände von der Decke fallen. Keine lackierten Platten sind es hier, die das Licht reflektieren. Es schimmert vielmehr durch die filigranen Nylon-Leinwände, verändert deren Erscheinungsbild, je nach Standort und Wetterlage, die durch die offenen Fenster den Raum bestimmt. Genau das ist die Art, wie Schiess Malerei versteht, eine Auseinandersetzung mit der Natur, ein Eintauchen in diese und eine beobachtende, forschende, spielerische, fantasievolle und immer abstrakte Umsetzung des Gesehenen. Die Farben oszillieren in allen Tönen, in schwelgerischer Fülle oder in dumpfer erdiger Konzentration zu marmorierten Flächen.
Mit diesen Ausstellungen gelingt es Direktor Stephan Kunz, die reiche Museumssammlung einzubeziehen und mit neuen Aspekten zu beleben.

Bis: 18.11.2012



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Ausgabe 11  2012
Ausstellungen Adrian Schiess, Rémy Zaugg [08.09.12-18.11.12]
Institutionen Bündner Kunstmuseum [Chur/Schweiz]
Autor/in Gisela Kuoni
Künstler/in Rémy Zaugg
Künstler/in Adrian Schiess
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