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Besprechung
11.2012


Irene Müller :  Richtig bequem klingt der Ausstellungstitel nicht, er verheisst keine wohlige Atmosphäre, kein geniesserisches Zurücklehnen. Er ruft eher Bilder von gegenseitigen Anpassungen von Körper und Raum hervor, von (un-)willkürlichen, funktionalen oder intuitiven Beugungen und Begegnungen.


Olten : Katja Schenker, ‹Mit angewinkelten Beinen›


  
Katja Schenker · Mit angewinkelten Beinen, 2012, Performance und Ausstellung Kunstmuseum Olten. Foto: Stefan Rohner


Zugleich evozieren die angewinkelten Beine auch ein zeitliches Moment, ein Vorher und Nachher, Bewegung in Zeit und Raum - und damit zentrale Kategorien im Schaffen von Katja Schenker (*1968). Die Einzelausstellung im Kunstmuseum Olten macht das Spezifische dieser künstlerischen Haltung sichtbar, indem sie verschiedene Spuren und Zugänge legt. Da ist zuallererst der installative Eingriff, für den Schenker die Raumstruktur des Parterres freigelegt hat und über zwei Etagen eine Bodenarbeit mit Zeichnungen und einer objekthaften Setzung verbindet: 450 m2 gegossener Zementboden mit kleinen, kugeligen Einsprengseln, die in der grauen Materie Landschaften bilden, überzogen von Farblachen, Rinn- und Schleuderspuren.
Der letzte Raum löst das Rätsel um die Entstehung der malerischen Strukturen. In einer sternförmigen Halterung stecken mit Magneten bestückte Stäbe, an deren Ende sich mit Farbe getränkte Schwämme ballen, die von Schenker in ihrer Eröffnungsperformance angelockt, aufgesammelt und als tropfende Bündel durch die Räume getragen wurden. Aber nicht nur diese Handlungen haben der Arbeit ihre ‹finale› Gestalt verliehen. Auch das Publikum hinterliess im Verlauf der Ausstellung auf dem leicht federnden, partiell aufgeworfenen Boden seine Spuren in Form von Rissen oder Einbrüchen und verwandelt ihn immer mehr in ein unsicheres Terrain.
Als Ergänzung bzw. Kontrapunkt wird im obersten Stock eine Auswahl von Videos früherer Performances präsentiert, wodurch - zwar räumlich lose, inhaltlich aber umso stringenter - die Verbindung der verschiedenen Medien in Schenkers Werk evident wird. Die Performances erfahren in diesem Kontext eine Aktualisierung, sie treten als eine Artikulationsmöglichkeit auf, mittels derer die Künstlerin das Verhältnis von Körper und Raum sowie damit verbundene Stimmungslagen untersucht.
Beim Versuch, diese Arbeitsweise sprachlich zu umreissen, gerät immer wieder das ‹Begreifen› ins Blickfeld - und zwar als Prozess körperlich-räumlicher Erfahrungen, als Wechselspiel von gedanklicher Annahme und konkretem haptischen Erleben. Umkreisen und Behaupten, Verdichten und Freiräumen: Die Bewegungen variieren, bis sie in einem vibrierenden Spannungszustand zur Ruhe kommen. Insofern zeugt der offene, widerständige Charakter von Katja Schenkers Arbeiten auch von der Risikobereitschaft, diesen Punkt anzusteuern bzw. genau dort haltzumachen - und dies ist für die Betrachter/innen erfreulich unbequem.

Bis: 04.11.2012



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Ausgabe 11  2012
Ausstellungen Katja Schenker [09.09.12-04.11.12]
Institutionen Kunstmuseum Olten [Olten/Schweiz]
Autor/in Irene Müller
Künstler/in Katja Schenker
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