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Besprechung
11.2012


Franz Krähenbühl :  Das Helmhaus nimmt sich der Malerei an. Dabei zeigt sich die stark ausgeprägte kuratorische Hängung genauso unterschiedlich von Raum zu Raum wie die Künstlerauswahl. Der einzige gemeinsame Nenner aller gezeigten Werke ist denn Farbe auf Grund - eine Herausforderung.


Zürich : x - Malerei in Zürich


  
Dieter Hall, Clare Goodwin und Valentin Hauri · Ausstellungsaufnahme Helmhaus Zürich 2012 © ProLitteris. Foto: FBM-Studio


Ist die Malerei dem Untergang geweiht? Das Eingangsbild von Christoph Hänsli beim Treppenaufgang zur Ausstellung im Helmhaus wollen die Macher programmatisch verstanden wissen. Es zeigt die Öffnung zum Kremationsofen der Stadt Zürich. Und legen uns gleichzeitig einen Umkehrschluss nahe: Die Malerei dieser Stadt behauptet sich erfolgreich gegen die regelmässig wiederkehrende Mutmas-sung ihres baldigen Ablebens. So wurden für die aktuelle Ausstellung weitere zwölf Positionen ausgewählt, welche die Malereiszene breit abbilden. Spitzfindig wurde der Buchstabe, der in der Algebra sowohl als unbekannte Grösse wie auch als Multiplikationszeichen - in Mundart auch «Mal-Zeichen» genannt - Verwendung findet, zum Sinnbild und Titel der Gruppenausstellung gesetzt: «x - Malerei in Zürich». Auf dem Umschlag der Begleitpublikation spannt die erweiterte lose Assoziationskette um diesen Buchstaben einen weiten Bogen, der allerdings eher ein methodisches Vorgehen illustriert als dass er der Ausstellung einen inhaltlichen Rahmen verleiht.
Die Vielfalt der zeitgenössischen Malerei wird bereits im ersten Raum sichtbar. Hier begegnet die gestisch physische Malerei von Giampaolo Russo, dem beinahe fotorealistisch illusionistisch gemalten Buch von Florian Bühler sowie der grafischen Arbeit von Jahanguir, die der konkreten Kunst zugeordnet werden könnte. Die Frage, weshalb Bettina Graf ihre assoziative Bilderflut zu orientalischer Philosophie auf dichtgehängte kleinformatige Leinwände malt und nicht fotografisch umsetzt, so als wolle sie den bunten Bildteppich einer Suchanfrage von Google reproduzieren, beantwortet das Medium selbst. Die physische Präsenz von Malerei und die Zeit, die ein malerischer Prozess einfordert, liegen in diametralem Gegensatz zur digitalen, rein virtuellen Bildproduktion. Fast scheint es, als werde im ersten Raum das Wesen der Malerei selber verhandelt.
Schon im nächsten Raum werden jedoch diese ontologischen Auswahlkriterien verlassen und durch ein formales Ordnungsprinzip ersetzt. Dabei zeigt sich: Nicht nur die Zusammenstellung der Künstler und Künstlerinnen, sondern auch der stets wechselnde kuratorische Blickwinkel in der Ausstellung ist vielfältig. Was die einen als mangelndes übergeordnetes Konzept kritisieren könnten, werten die anderen als experimentelle facettenreiche Disposition, als erfrischende kuratorische Antwort auf eine gleichermassen vielseitige Kunstszene.

Bis: 18.12.2012



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Ausgabe 11  2012
Ausstellungen X - Malerei in Zürich [27.09.12-18.11.12]
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Institutionen Helmhaus [Zürich/Schweiz]
Autor/in Franz Krähenbühl
Künstler/in Christoph Hänsli
Künstler/in Giampaolo Russo
Künstler/in Florian Bühler
Künstler/in Jahanguir
Künstler/in Bettina Graf
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