Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
11.2012




Basel/Riehen : Edgar Degas


von: Hans-Dieter Fronz

  
links: Edgar Degas, Danseuses, um 1896, Tänzerinnen, Pastell, 51 x 40 cm. Foto: Christie's Images
rechts: Edgar Degas, Femme au bain, 1893-98. Öl auf Leinwand, 71,1 x 88,9 cm. Foto: Art GAllery of Ontario, Toronto


Die Erkenntnis, dass Edgar Degas' Spätwerk ein Gipfelpunkt seines Schaffens ist, beginnt erst allmählich Kreise zu ziehen. Mitte der 1880er Jahre verabschiedet sich der Künstler von der feinmalerischen Darstellung des Pariser Lebens in Park, Boulevard und Caféhaus. Seriell in Werkgruppen arbeitend, schafft er einen neuen Werkbegriff. Ziel ist nun nicht mehr das einzelne Meisterwerk, sondern die Entwicklung, Steigerung und Abwandlung eines Motivs.
Zu Lebzeiten Degas' war das späte Œuvre, weil kaum ausgestellt, nur wenig bekannt. Die aktuelle Ausstellung der Fondation Beyeler ist die erste umfassende expositionelle Würdigung des Spätwerks überhaupt. Lückenlos fächert sie das motivische Spektrum auf und nimmt mit ihren mehr als 150 Ölbildern, Pastell- und Kohlezeichnungen, Lithografien und Monotypien, Skulpturen und Fotografien die ganze Vielfalt an künstlerischen Techniken in den Blick.
Das vom späten Degas geradezu obsessiv umkreiste Thema ist der menschliche Körper. Seine Ballerinen, Badenden und Jockeys sind in allen denkbaren Attitüden und Perspektiven dargestellt. So feiert Degas die Mysterien des menschlichen, meist weiblichen Körpers in seiner unendlichen Versatilität. Gleichzeitig befreit er die Figur aus den Fesseln des klassischen Schönheitsideals und - in der «Schlüssellochperspektive», von der er selber spricht - von jeglicher Ziererei und Pose. Eine duftige Spontaneität und Anmut vieler Ballett- und Bade-szenen ist das Resultat.
Wenn aber der heimliche Sinn der Fixierung auf den Körper bei Degas, der zeitlebens unter Todesangst litt, Abwehrzauber gegen den Horror des Todes ist, so hat er seinen Darstellungen blühenden Lebens dessen Negation in homöopathischer Dosierung auch beigemischt. In den flirrenden Farbstrichen seiner Pastelle gelangt ein Hauch von Vergänglichkeit ins Bild: Die feste Plastizität des Körpers wird aufgeweicht, sichtbar meint man die Zeit selbst verfliessen zu sehen.



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 11  2012
Ausstellungen Edgar Degas [30.09.12-27.01.13]
Institutionen Fondation Beyeler [Basel/Riehen/Schweiz]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
Künstler/in Edgar Degas
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=121024142134AAB-19
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.