Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
11.2012




Dornbirn : Tue Greenfort


von: Karlheinz Pichler

  
links: Tue Greenfort · Geodätische Kuppel, 2012. Foto: Fessler
rechts: Tue Greenfort · Tent, 2007, Models for Tomorrow, European Kunsthalle, Cologne, 2007. Foto: Natalie Czech


‹The Worldly House› des dänischen Künstlers Tue Greenfort (*1973, Holbaek) war eines der interessantesten Projekte der diesjährigen documenta in Kassel. Greenfort richtete in einem hölzernen Pavillon, der vor 50 Jahren in einem Teich in der Kasseler Karlsaue für Schwarzschwäne erbaut wurde, ein Archiv ein, das von Künstlermaterialien, Texten, Büchern, Videos und Dokumentationen gespeist wurde und sich mit den Verbindungslinien zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Lebewesen auseinandersetzte.
Auch bei seiner aktuellen Ausstellung ‹Eine Berggeschichte› im Kunstraum Dornbirn geht Greenfort von der Geschichte und den Besonderheiten der Lokalität aus. Der Kunstraum befindet sich nämlich in einer Montagehalle, die 1893 erbaut wurde, um Arbeitsprozesse zu rationalisieren. Ein Faktum mit zwei konträren Aspekten: Rationalisierung bedeutet einerseits den Abbau von Arbeitsplätzen, andererseits aber auch die Schonung von Ressourcen. Eine ideale Vorlage für den heute gleichermassen in Berlin wie in Dänemark lebenden und arbeitenden Künstler, um ein filigranes Gedankennetzwerk entlang der Themenlinien Ökologie, Ökonomie, Kunst und Naturwahrnehmung formal-bildnerisch umzusetzen.
Im Zentrum der ‹Berggeschichte› steht eine Rundarchitektur, die Greenfort den Plänen von Richard Buckminster Fullers ‹geodätischer Kuppel› der Weltausstellung von Montreal im Jahre 1967 nachempfunden hat. Buckminster Fuller wollte seinerzeit mit möglichst wenig Ressourcen eine möglichst funktionale Struktur erzeugen. Eine Idee, die dann rasch auch von den Hippies aufgegriffen wurde. Greenforts ‹Kuppel› wird statisch getragen von einem wabenartigen Geflecht aus Aluminiumstangen. Die Aussenhaut wird von den zerschnittenen Werbeplanen eines internationalen Bekleidungskonzerns mit zwei Buchstaben gebildet. Es ist die Zweitverwertung eines weggeworfenen Materials. Die Idee zur ‹geodätischen Kuppel› kam dem Dänen bereits vor fünf Jahren. In der Dornbirner Montagehalle fand er nun den Ort der Realisierung. Das Modell zur Erstidee Greenforts steht direkt vor der Grosskuppel: Eine Leichtbau-Zeltkonstruktion nach einem Vorbild von Otto Frei aus dem Jahre 1957. Auch bei ‹Tent›, 2007, geht es darum, mit spartanischen Mitteln wie Stangen, Seilen und Wegwerfmaterial Raum für Menschen zu schaffen.
Ein ‹Audio System›, das per Zufallsgenerator akustische Signale vom Innen- und Aussen-Raum überträgt, ein Holz-Strunk, ‹Conservation›, unter einer Glaskuppe, der von Holzwürmern in Zeitlupe aufgefressen wird, sowie eine 10-Liter-Flasche mit reinem Alkohol, ‹Untitled›, die den Energieverbrauch zwischen westlicher und dritter Welt sinnbildlich veranschaulicht, runden das Dornbirner Greenfort-Szenarium ab.

Bis: 04.11.2012



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 11  2012
Ausstellungen Tue Greenfort [14.09.12-04.11.12]
Institutionen Kunstraum Dornbirn [Dornbirn/Österreich]
Autor/in Karlheinz Pichler
Künstler/in Tue Greenfort
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=121024142134AAB-24
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.