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11.2012




Frankfurt/M : Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst


von: Verena Kuni

  
links: Johann Heinrich Füssli · Der Nachtmahr, 1790/91, Öl auf Leinwand, 76,5 x 63,6 cm
rechts: Friedrich Wilhelm Murnau · Faust - Eine deutsche Volkssage, 1926, Filmstill Stummfilm, sw


Vom Schrecken ohnmächtig niedergestreckt liegt die blasse Blonde, mächtig und siegesgewiss hockt auf ihrer Brust der Dämon, während eine geisterhafte Mähre den Kopf durch den Baldachin der Bettstatt reckt: Johann Heinrich Füsslis ‹Nachtmahr› setzt das Fanal für die Schau, die mit über zweihundert Werken aus einhundertfünfzig Jahren dem Impuls der ‹Schwarzen Romantik› nachspürt - jener Faszination für die merkwürdige Schönheit des Schauers und des Abgründigen, für die Grausamkeit des Wahnsinns, für Nachtseiten der Natur.
Deutlich wird von Anfang an, dass es sich um einen Impuls handelt, der untrennbar mit jenem der Moderne verbunden ist: Die Feier des technischen Fortschritts und des vermeintlichen Siegs der menschlichen Ratio fordert den Ausschlag des Pendels in die Gegenrichtung nachgerade heraus. So finden sich in direkter Nachbarschaft zu den Fantasien Füsslis - dessen Schlüsselwerk eine passende Szene aus James Whales ‹Frankenstein›-Verfilmung beigesellt ist - die vom realen Schrecken der Inquisition und des Bürgerkriegs inspirierten Blätter eines Goya; zu den Nachtbildern der deutschen Romantiker von Caspar David Friedrich bis Carl Blechen, deren Stille jede Beschaulichkeit verliert, gesellen sich gespenstische Szenen. Mit dem französischen und belgischen Symbolismus darf dann auch die bare Lust am Dämonischen Einzug halten, während Künstler wie Edvard Munch und Alfred Kubin die Facetten von Ängsten und Alpträumen ausloten.
Dem Surrealismus kommt schliesslich das Verdienst zu, die ‹Schwarze Romantik› ins 20. Jahrhundert weitergetragen und - wie die Fotografien von Brassaï und Wolfgang Paalen belegen - selbst an den unscheinbarsten Rändern des Alltags für sich entdeckt zu haben.
So manche Entdeckung hält auch die Ausstellung bereit, die ihr Thema und seinen künstlerischen Radius konsequent und konzise auslotet; dem Städel-Kurator Harald Krämer ist es gelungen, mit bedeutenden Leihgaben sowohl rare Stücke wie auch echte Inkunabeln zusammenzutragen. Bedauerlich allenfalls, dass der Faden nicht bis in die Gegenwartskunst weitergeführt wurde, die hierzu einiges beizusteuern gehabt hätte. Auch die Auswahl der Filme, die als integraler Bestandteil der Schau fungieren, hält sich streng an den gewählten Zeitschnitt bis zum Zweiten Weltkrieg. So bleibt die Fortschreibung der Imagination überlassen, die entsprechende Bilder vor dem «inneren Auge» aufrufen mag - was indes auf seine Weise ganz im Sinne der «Schwarzen Romantik» ist.

Bis: 20.01.2013


Im Anschluss im Musée d'Orsay, Paris, 4.3.-9.6.2013



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Ausgabe 11  2012
Ausstellungen Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst [26.09.12-20.01.13]
Institutionen Städel Museum [Frankfurt/M/Deutschland]
Autor/in Verena Kuni
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