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11.2012




München : Ends of the Earth


von: Roberta, De Righi

  
links: Judy Chicago · Immolation IV from the Women and Smoke Series, 1972, Flares Performed with Faith Wilding in the California desert © ProLitteris. Foto: Through the Flower, Penn State University Archives
rechts: Hrein Fridfinsson · House Project, 1974, 16 Farbfotografien, je 20 × 29 cm und zwei Texte, je 29.5 × 21 cm, Courtesy Moderna Museet, Stockholm


Auf dem Bildschirm versinkt ein Mann in der Erde, jeden Abend mehr, bis nur noch ein paar Haare zu sehen sind. Die Bilder, die der WDR 1969 täglich nach den Nachrichten kommentarlos sendete, gehörten zu Keith Arnatts Foto-Projekt ‹Self Burial›. Heute ist eine derart subversive Lakonie im Fernsehen undenkbar.
Sie sind derzeit in ‹Ends of the Earth. Land Art bis 1974› im Haus der Kunst zu sehen. Kuratoren der Mammut-Ausstellung mit 200 Werken sind Philipp Kaiser, Nachfolger Kasper Königs am Kölner Museum Ludwig, und Miwon Kwon. Kaiser hatte vorab angekündigt, die Kunstgeschichte umschreiben zu wollen. Wer nun bei ‹Land Art› vor allem an Grossprojekte in den USA - von Heizers ‹Double Negative›, 1969, über Smithsons ‹Spiral Jetty›, 1970, zu de Marias ‹Lightning Field›, 1977, - denkt, der wird enttäuscht. Nicht zuletzt weil der Eigenbrötler Heizer und der Minimalist de Maria an musealer Präsentation nicht interessiert sind.
So findet man zwar Material zu Smithsons ‹Site› in Utah. Das Augenmerk liegt aber auf den vielfältigen Ansätzen der Sechzigerjahre - als die Raumfahrt erstmals Bilder des «Blauen Planeten» lieferte - diese Welt künstlerisch zu vermessen, zu begreifen oder - schöpfergleich - zu gestalten. Bezugspunkte sind die Ausstellungen ‹Earthworks›, 1968 und ‹Earth Art›, 1969. Vieles steht im Kontext zu Concept und Minimal Art. Als Erkenntnis gilt, dass auch europäische Künstler, ob in Arte Povera, Fluxus oder Zero, um das Thema kreisten. Eher im weiteren Sinne Jean Tingely und Niki de Saint-Phalle, die auf einem Atomtest-Gelände in Nevada eine Schrottskulptur in die Luft jagten.
John Baldessari übertrug mit George Nicolaidi den Schriftzug ‹CALIFORNIA› von der Karte in die Landschaft, andere versetzten städtische Strukturen in die Natur (Dennis Oppenheim, Adrian Piper). Claes Oldenbourg und Paul McCarthy ging's ums Buddeln, Isamu Noguchi (‹This tortured Earth›) hatte bereits die Verwundbarkeit des Planeten vor Augen. Fast animistisch wird's bei Judy Chicago, der Respekt vor «Mutter Erde» ist tendenziell weiblich. Schön und sinnlich ist Alice Aycocks Lehm-Landschaft mit Rissen, sinnlich-kreatürlich Helen Mayers/Newton Harrisons duftendes Stück Wiese - auf der mehrmals ein Schwein weiden soll.
Doch auch wenn der Überblick Programm ist, hätte der Präsentation etwas mehr inhaltliche Stringenz gut getan. Die Vielfalt von ‹Ends of the Earth› beeindruckt, nicht alle Exponate können künstlerisch überzeugen.

Bis: 20.01.2013



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Ausgabe 11  2012
Ausstellungen Ends of the Earth [11.10.12-20.01.13]
Institutionen Haus der Kunst München [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
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