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11.2012




Paris : Mircea Cantor


von: J. Emil Sennewald

  
Mircea Cantor · Sic Transit Gloria Mundi, 2012, Videostill


«Was können wir tun? Fragen stellen. Zum Beispiel eine Kinderfrage: ‹Warum?›» Vor fünf Jahren nahm man Mircea Cantor den Drang zum einfachen Blick auf die Poetik des Politischen ab. Auch heute, als gefeierter Star, bleibt sich der 35-jährige Rumäne treu, setzt auf «notwendige Unsicherheit». Dennoch kam man vergangenes Jahr nicht umhin zu fragen: Warum? Unter den vier Nominierten für den Prix Marcel Duchamp war sein Vorschlag nicht der überzeugendste, man munkelte von offenem Druck durch eine Sammlerin. Auch die Ausstellung im Kunstzentrum Crédac bei Paris liess Sorge aufkommen: Wird Cantor im globalen Kunstbetrieb zerdrückt? Mit seinem jetzigen Auftritt im Beaubourg sagt er: Nein. «Heute global zu handeln, heisst universal zu handeln. So wird die Globalisierung aufgehoben.» Am Eingang steht mit Zündschnur an die Wand geschrieben: «Don't judge, filter, shoot». Das könnte man als Kommentar zum Starbetrieb lesen. Drinnen hängen drei DNA-Doppelhelix-Modelle, geknüpft aus mit 24 Karat vergoldeten Sicherheitsnadeln, ‹Epic Fountain›, 2012. «Epingles de nourrice» heissen diese, wegen ihres Einsatzes zur Windelbefestigung. Cantor hat sich freigestrampelt. Beeindruckend der neue Film, ‹Sic Transit Gloria Mundi›. Er zeigt eine brennende Zündschnur, wie von einer Schicksalsgöttin ausgelegt in viele unterwürfige Hände. Am Schluss zergeht sie im Funkenregen. Ein Selbstporträt? Das wäre zu global.

Bis: 07.01.2013



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Ausgabe 11  2012
Ausstellungen Mircea Cantor [03.10.12-07.01.13]
Institutionen Centre Pompidou [Paris/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Mircea Cantor
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