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Hinweis
11.2012




Zürich : Péter Nádas


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Péter Nádas · In der Schreibstube, 2000
rechts: Péter Nádas · Ausstellungsaufnahme, 2012, Kunsthaus Zug


Die monumentalen ‹Parallelgeschichten› des ungarischen Schriftstellers Péter Nádas (*1942), deutsch erschienen im Frühling 2012, erlebte in Kürze drei Auflagen. Ob alle Käufer die 1700 Seiten auch lesen und eintauchen in Nádas' Welt voller Schrecken und Freuden des Lebens, ist eine andere Frage. Die Ausstellung im Kunsthaus Zug ‹Péter Nádas - in der Dunkelkammer des Schreibens. Übergänge zwischen Text, Bild und Denken› bietet dazu jedoch willkommene und unerwartete Hilfen. Museumsdirektor Matthias Haldemann gestaltete keine übliche Literaturausstellung, sondern lud Péter Nádas ein, in allen Räumen des Hauses Einblick in seine eigene Welt und sein Herkommen zu bieten. Der Autor, dessen literarisches Werk weithin als epochal und vergleichbar mit Musil oder Proust gefeiert wird, der aber auch ein Meister der Fotografie und des fotografischen Experimentes ist, tut dies in mehreren Schritten. Er präsentiert ungarische Malerei der ersten Jahrhunderthälfte und Werke von Künstlern der Nachkriegszeit, die seine Weggefährten sind - beides von Stilpluralismus geprägte Welten. Er zeichnet anhand bedeutender Beispiele (u.a. Balogh, Capa, Moholy-Nagy, Kertéz) die Entwicklung der modernen ungarischen Fotografie nach, in die er sich auch mit seinen eigenen Schwarzweiss-Aufnahmen - darunter höchst avancierte Bilder des erst rund 20-Jährigen - einschreibt, und die er, vom analogen zum digitalen Verfahren wechselnd, mit experimentierenden farbigen Lichtstudien fortsetzt. Und er gibt in umfangreichen Materialsammlungen teilweise intimen Einblick in seinen Schreibprozess. Zentral sind dabei die von steter vielschichtiger Reflexion begleiteten Beziehungen zwischen Bild und Text, die Péter Nádas fürs Schreiben zu nutzen versteht. Er geht dabei nicht von Bildbeschreibungen aus, sondern transferiert Seherfahrungen zum Beispiel von Landschaften, aber auch von Artefakten in jene Sprache, die ihm eine Annäherung an eine von Widersprüchlichkeiten geprägte Wirklichkeit ermöglicht.
Dass das Kunsthaus Zug Péter Nádas zu dieser Ausstellung lud, ist kein Zufall: Die Übersetzung von ‹Parallelgeschichten› ins Deutsche wurde mitermöglicht durch das Zuger Übersetzungsstipendium, das die Dialog-Werkstatt Zug 2009 der Schweizer Autorin Christina Viragh zukommen liess. Ihre Übertragung erntete euphorische Kritiken und wurde gleich mit mehreren Übersetzerpreisen ausgezeichnet. Der Brückenschlag hin zu anderen Künsten hat im Kunsthaus Zug übrigens insofern Tradition, als der Einbezug anderer Kunstgattungen und dabei vor allem der Musik seit Längerem zum Programm des Hauses gehört.

Bis: 25.11.2012



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Ausgabe 11  2012
Ausstellungen Peter Nádas [01.09.12-25.11.12]
Video Video
Institutionen Kunsthaus Zug [Zug/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Peter Nádas
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