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Besprechung
12.2012


Alice Henkes :  Nächstes Jahr wäre Meret Oppenheim hundert Jahre alt geworden. Das Kunstmuseum Bern, das vor sechs Jahren eine grosse Oppenheim-Schau zeigte, lud fünf zeitgenössische Kunstschaffende ein, sich mit der Kunst-Ikone zu beschäftigen. Entstanden ist eine vitale und überzeugende Hommage.


: Merets Funken


  
links: Francisco Sierra · Rimini-Elégance (The Unicorn Ballet), 2012, Öl auf Leinwand, 126 x 190 cm
rechts: Meret Oppenheim · Abendkleid mit Büstenhalter-Collier, 1968, Mannequin-Torso, Glasperlenkette, Ölfarbe, Glassplitter, 145 cm © ProLitteris


Surrealistin war sie nur in ihren Pariser Jugendjahren. Die Einzelgängerin Meret Oppenheim (1913-1985) lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Dem frühen Ruhm, den sie mit ihrer Pelztasse ‹Déjeuner en fourrure› errang, folgte - nach längeren Schaffenskrisen - ein sehr vielseitiges Werk. Lange lebte sie in Bern, fand jedoch nie Zugang zur Schweizer Kunstszene. Nur die jüngeren Kunstschaffenden, die interessierten sie. Kuratorin Kathleen Bühler hat für ihre Hommage an Meret Oppenheim diesen Blick auf die Jugend weitergeführt und junge Schweizer Kunstschaffende gesucht, in deren Werk ein Funke von Meret Oppenheims Geist weiterglüht. Ausgewählt hat Bühler mit Maya Bringolf, Vidya Gastaldon, Tatjana Gerhard, Elisabeth Llach und Francisco Sierra Persönlichkeiten, die, oft ebenfalls in einzelgängerischer Weise, in ihren Werken eigene Welten schaffen, die inneres Erleben, aber auch äussere Realitäten spiegeln und durchdringen können.
Die Kunstschaffenden wurden eingeladen, sich mit Meret Oppenheim auseinanderzusetzen und aus der umfangreichen Sammlung des Kunstmuseums Bern Werke der berühmten Künstlerin auszuwählen, die sie in ihre eigene Präsentation integrieren wollten. So entstanden zündende Funkenschläge über die Zeiten hinweg, einfühlsam und eigenwillig. Der in Bern lebende Künstler Francisco Sierra (*1977) erinnert mit einem grossen Pelzring, ‹Bracelotus giganteus›, 2012, der wie ein flauschiger Kronleuchter im Raum schwebt, an die Pelztasse. Im Pelz hängen kleinformatige Bilder von Meret Oppenheim, in denen sie Themen des eigenen Lebens nach Art der Fabeln gestaltet, indem sie etwa den Drang nach Freiheit als Vogel darstellt, ‹Vogel mit Parasit›, 1939. An den Wänden vis-à-vis hängen Gemälde aus Sierras Würmli-Serie, mit «Familienszenen», die Regenwürmer als Protagonisten auftreten lässt.
Eine räumlich erfahrbare eigene Welt inszeniert Elisabeth Llach (*1970). Die Waadtländerin beschäftigt sich in ihren Bildern mit der Imagination von Weiblichkeit. Mit Zitaten aus Pop- und Hochkultur erstellt sie verschlungene Bildwelten, in denen medial geprägte Frauenbilder brutal übersteigert und ins Fratzenhafte verzerrt erscheinen. Aus dem Œuvre Meret Oppenheims hat sie thematisch verwandte Arbeiten wie das unbehagliche Objekt ‹Abendkleid mit Büstenhalter-Collier›, 1968, gewählt. Als Präsentationsrahmen dient ein verwinkeltes schwarzes Kabinett, in dem die Kunstwerke durch Schlitze und Gucklöcher sichtbar sind.



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Ausgabe 12  2012
Ausstellungen Surrealismen in der zeitgen. Schweizer Kunst [19.10.12-10.02.13]
Institutionen Kunstmuseum Bern [Bern/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Maya Bringolf
Künstler/in Vidya Gastaldon
Künstler/in Tatjana Gerhard
Künstler/in Elisabeth Llach
Künstler/in Francisco Sierra
Künstler/in Meret Oppenheim
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