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Hinweis
12.2012




Aachen : Die Stadt, die es nicht gibt - Bilder globaler Räume


von: Sonja Gasser

  
links: Annette Kelm · Serie Wolgaster Holzindustrie, 2008, Courtesy Johann König, Berlin
rechts: Rufina Wu & Stefan Canham · Portraits from Above - Hong Kong's Informal Rooftop Communities, 2008, Courtesy Stefan Canham


Architektur schafft und gestaltet den Lebensraum, in dem gesellschaftliche Prozesse stattfinden. Trotz Globalisierung weisen die Städte an verschiedenen Orten auf der Welt Eigenheiten auf, dies geht aus den rund zwanzig ausgestellten Fotografie- und Videoarbeiten hervor. Diese eröffnen unterschiedliche Blickwinkel auf real existierende, manipulierte oder fiktive Stadtlandschaften, Milieus und Behausungen.
Platzmangel und teure Wohnungen haben in der dicht besiedelten Grossstadt Hong Kong eine Art Parallelgesellschaft in luftiger Höhe entstehen lassen. Der Künstler Stefan Canham und die Architektin Rufina Wu dokumentieren in Fotografien, sauber ausgeführten Architekturzeichnungen und kurzen Texten die illegalen Hütten auf den Flachdächern sowie die Lebensumstände der Bewohner/innen in den sogenannten «Rooftop Communities».
Einen Gegensatz zu diesen überbelegten Häusern bilden die verlassenen Überbauungen in der Peripherie von Kairo. Aglaia Konrad hat in ihrer Serie ‹Desert Cities› die von monotonen architektonischen Strukturen geprägten Gebiete aufgesucht. Eine Orientierung in diesen Quartieren, die im Zuge von ehemaligen Sozialwohnungsprojekten geschaffenen worden sind, ist nur aufgrund von Fassadendekorationen auf den seriell gefertigten Bauten möglich.
Auch die idyllischen Einfamilienhäuschen aus Holz, die Annette Kelm im städtischen Kontext aufgespürt hat, weisen nur auf den ersten Blick Eigenständigkeit auf. Dahinter verbirgt sich eine Frühform des Fertighausbaus aus den Zwanzigerjahren. In Abgrenzung zum Massenwohnbau haben Architekten im standardisierten Holzbau eine Alternative zu modernen Baumaterialien gesucht.
Für Irritation sorgen auch die Arbeiten von Maja Weyermann. Versatzstücke der Wirklichkeit werden durch digitale Bearbeitung zu Bildern zusammengefügt, die perspektivische Grundsätze missachten und dadurch verstörende, ungewohnte Raumwahrnehmungen erlauben.
Die versammelten Werke untersuchen Stadtarchitekturen anhand von sozialen, politischen und architektonischen Gesichtspunkten. Fragen von privater Nutzung und öffentlichem Raum stehen dabei ebenso zur Debatte wie Fragen von Faktizität und Fiktion, von Wahrnehmung, Wirklichkeit und Manipulation. Eine äusserst empfehlenswerte Ausstellung.

Bis: 17.02.2013



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Ausgabe 12  2012
Ausstellungen Die Stadt, die es nicht gibt - Bilder globaler Räume [22.09.12-17.02.13]
Institutionen Ludwig Forum für internationale Kunst [Aachen/Deutschland]
Autor/in Sonja Gasser
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