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Hinweis
12.2012




Genève : Bozidar Brazda


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Bozidar Brazda, Untitled, Kautschuk auf grundiertem Leinen, 2012
rechts: Bozidar Brazda, Untitled, Aufkleber aus Vinylfolie, 3 + 2 AP, 2012


Vor zwei Jahren hat die Galerie ribordy contemporary mit einer Ausstellung des Installationskünstlers, Malers, Fotografen, Musikers und Autors Bozidar Brazda ihre Türen geöffnet. Er wurde 1972 in eine slowakische, vor dem Kommunismus nach Kanada geflohene Intellektuellenfamilie hineingeboren und lebt seit 2002 mit seiner Frau und Nachwuchs in New York. Seine Werke spiegeln die Überzeugung, dass Kunst eine punktuelle Inszenierung der komplexen Prozesse im Kopf eines Künstlers sei. Deshalb hat er sich zur Aufgabe gemacht, die konzeptuellen und partizipativen Praktiken, wie sie sich ab den späten Sechziger-, frühen Siebzigerjahren entwickelt haben, neu auszuloten. Bereits in der eintägigen Installation eines verunfallten Fallschirmspringers auf dem Dach eines Wohnblocks, mit der er 2003 vor Freunden sein début als Künstler gab, verriet er einen tiefen Pessimismus in Bezug auf den gegenwärtigen Zustand der Kunst. 2009 hat er den power houses der Kunstwelt den Rücken gekehrt und stellt wieder nach dem Punk-Motto «von der Szene für die Szene» in Verbindung mit dem Atelier sowie in ausgewählten Off-Spaces aus.
Nur scheinbar klassisch ist denn auch der zweite Auftritt des Künstlers in der jungen Genfer Galerie, die ein paar Strassen südlich des Zentrums des zur Museumsinsel und Galerienzone mutierten Quartier de Bain ein progressives Programm vertritt: Unter dem Titel «FETE» hat Brazda eine Reihe monochromer Gemälde in kleineren und mittleren Formaten auf Augenhöhe an die Wände gehängt. «FETE» lässt zuerst an ein Fest denken. Der Titel verweist jedoch auch auf den Begriff des Fetischismus. Dieser drängt sich bei einer näheren Inspektion der mysteriösen Bildvierecke in der Tat auf, vor allem im Zusammenhang mit dem Aufkleber aus schwarzer Vinylfolie, der ihnen Brazda gegenübergestellt hat. Der Künstler hat nämlich fertig aufgespannten und grundierten Leinwänden aus dem Bastelladen eine zweite Haut aus Kautschuk übergestreift - sehr suggestiv, blitzt doch an gewissen Stellen an den Rändern ihr nacktes Weiss noch auf. Der Wandaufkleber indes zeigt einen riesigen Reisverschluss, der sich y-förmig öffnet und so gleichzeitig an die Scham einer Frau erinnert.
Mit der Gegenüberstellung dieser zwei sehr unterschiedlichen Elemente, die jedoch in beiden Fällen in einer distanzierten, ökonomischen «do it yourself»-Ethik/Ästhetik fabriziert sind, ist Brazda eine Installation gelungen, die den Stellenwert seziert, den wir toter Materie zuordnen - vorab der Kunst, zwischen ihrem Anfang in der Idolatrie und ihrem Ende im ostentativen Konsum. Wir finden uns in dieser Installation denn auch wie in einem Spiegelkabinett wieder: Unentwegt erhalten wir unser eigenes Bild zurück, als dumpfer Schatten von den matteren Gemälden, ohne Gnade von den glänzenderen und als irres Bewegungsgeklirr von dem Aufkleber.

Bis: 21.12.2012



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Ausgabe 12  2012
Ausstellungen Bozidar Brazdas [05.11.12-21.12.12]
Institutionen Ribordy Contemporary [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Bozidar Brazdas
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