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12.2012




Giessen : Lori Hersberger


von: Grit Weber

  
links: Lori Hersberger · Sudden Death, 2012 Stahl, Autolack; (vorne) 300 cm x 180 cm x 100 cm, (hinten) 130 cm x 70 cm x 20 cm, Courtesy Thaddaeus Ropac, Salzburg/Paris. Foto: Ulrich Gezzy
rechts: Lori Hersberger · Heroic Nihilism, 2012, Polyes­ter, Kunststoff, Spiegelglas, Neonlicht. Foto: Elias Ulli


Nichts Anheimelndes hat die Ausstellung, die der Schweizer Künstler für den grossen Raum der Giessener Kunsthalle konzipierte. Fast als wären seine Arbeiten - verspiegelte Chromstahlquader, aus deren Inneren die Luft herausgesogen wurde, oder sich überschneidende Rechtecke aus Neonröhren - ein Kommentar an das Verwaltungsgebäude, in welches die Giessener Kunsthalle so ungünstig integriert wurde, dass ihre Besucher den Eindruck gewinnen, sie solle inexistent gemacht werden. So gesehen passt das Werk von Lori Hersberger sehr gut an diesen Ort und auch der Titel der Schau ‹Heroic Nihilism› passt treffend in diese Administrations-Architektur, die Repräsentation, Funktion und Gefälligkeit miteinander verbinden will. Kühl und bis zur Aufhebung neutralisiert ist der erste atmosphärische Eindruck, geht man durch die Ausstellungshalle.
Das Material, das Hersberger seit vielen Jahren nutzt, symbolisiert technisch perfektionierte Eigenschaften. Er steigert den Eindruck, indem er Formen findet, die genauso perfekt und ausgewogen erscheinen. Doch dann wird die Vakuummaschine angesetzt und die Luft aus den Quadern gesaugt. Was mag das für ein Geräusch gemacht haben - ein gewalttätiges? Im Ergebnis wirft die deformierte Spiegeloberfläche die Betrachter und Betrachterinnen sowie den Raum zerflossen zurück.
Vergleichbar Irritierendes ist mit den beiden senkrechten, an der Wand befestigten Stahlröhren passiert. Aus ihnen ist Pigmentpulver gerieselt und hat sich am Boden unter den Röhren zu dunklen Häufchen gesammelt. Doch auch das Pulver ist von solch industriellem Charakter, wie das Vakuumverfahren. Hersberger ist kein Romantiker, der neben die Vollendung das Imperfekte stellt. Er hebt Dualismus und also Spannung auf, indem er mit noch mehr Künstlichkeit pariert. Ein Entrinnen aus der so entstehenden Weltenkälte ist bis auf Weiteres nicht möglich.

Bis: 13.01.2013


Katalog jrp Ringier



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Ausgabe 12  2012
Ausstellungen Lori Hersberger [05.11.12-13.01.13]
Institutionen Kunsthalle Giessen [Giessen/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Lori Hersberger
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