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12.2012




Paris : Adel Abdessemed


von: J. Emil Sennewald

  
Adel Abdessemed · Coup de tête, 2012, Bronze @ ProLitteris. Foto: Sennewald


Der Künstler behauptet: «I am innocent». Der Unschuldige, ob Idiot oder Engel, bringt Trubel. Nicht wegen eines Videos, in dem er sich an die Decke werfen lässt, um dorthin ‹Also sprach Allah›, 2008, mit Kohle zu schreiben. Auch sein Flöte spielender nackter Imam ‹Flötenspieler›, 1996, oder das Video einer Frau, die einem Ferkel die Brust gibt, ‹Lise›, 2008, regte nicht auf. Dass er aber den Kopfstoss Zinedine Zidanes, der beim WM Finale 2006 Scham über Frankreich brachte, übergross und in geschwärzter Bronze auf den Vorplatz stellt, ‹Coup de tête›, 2011-2012, - das geht zu weit. Rund dreissig französische Amateurverbände protestieren: das Werk verletze «die Sportethik». Das an solch derbe Spässe im Stile Maurizio Cattelans gewöhnte Kunstpublikum lächelt bloss. Abdessemd sei mehr als Polit-Pop-Artist oder collector›s darling, sein Werk, so Kurator Philippe-Alain Michaud, ankere tief in der Kunstgeschichte. Wie Monsú Desiderio 1622 mit dem Gemälde ‹Die Höllen› wolle er «die zeitgenössische Hölle» aufzeigen. Dafür muss er sie rekonstruieren. Genau das erzeugt Unbehagen, wie man es von Andres Serrano und Santiago Sierra her kennt. Ist das nicht bloss zynisches Medienspektakel, ohne nachhaltige Wirkung? In der Ausnutzung von Kunst ist Abdessemed nicht unschuldig.

Bis: 07.01.2013



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Ausgabe 12  2012
Ausstellungen Adel Abdessemed [03.10.12-07.01.13]
Institutionen Centre Pompidou [Paris/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Adel Abdessemed
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