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12.2012




Weil am Rhein : Pop Art Design


von: Yvonne Ziegler

  
links: Studio 65 · Leonardo, Sofa, 1969, Sammlung Vitra Design Museum. Foto: Andreas Sütterlin
rechts: Tom Wesselmann · Smoker Banner, 1971, ­Privatsammlung/Siegen © ProLitteris


Pop ist allgegenwärtig, umfasst Musik, Literatur, Film, Architektur, bildende Kunst und Design. Pop ist zutiefst mit der Medialisierung und Kommerzialisierung unseres Alltags verbunden, mit Massenproduktion und -konsumation, mit der Veröffentlichung von Privatsphäre und der Verzerrung von Massstäben, wenn Unwichtiges medial breitgetreten wird und Öffentlichkeit ins eigene Heim dringt. Eine Ausstellung im Vitra Design Museum widmet sich erstmals der Wechselbeziehung zwischen Pop Art und Design, zeigt auf, wie Werbe- und Designstrategien der prosperierenden Fünfzigerjahre von Künstlern, die wie Andy Warhol, James Rosenquist oder Roy Lichtenstein von der angewandten Kunst kamen, aufgenommen und in die Kunst integriert wurden, um schliesslich Ende der Sechziger zu Neuerungen im Design zu führen. Thematisch geordnet (aufgrund der örtlichen Gegebenheiten leider stellenweise räumlich sehr beengt und manchmal in winzigen Sektionen) stellt die Ausstellung etwa Tom Wesselmanns roten rauchenden Kussmund neben das Bocca-Sofa von Studio65 oder Césars Daumenplastik in die Nähe von Gaetano Pesces fussförmiger Sitzskulptur. Weitere Bezüge sind zwischen den glänzenden Oberflächen von Luigi Colanis Stapelstuhl aus Fiberglas und Allan D'Arcangelos Signetbild oder zwischen Möbeln des Künstlers Richard Artschwager und des Designers Ettore Sottsass zu beobachten. Während sich Pop Art durch eine mehrschichtige Lesart auszeichnet, bei der unter der schönen, den Alltag reflektierenden Oberfläche Kritik mitschwingt - Unterdrückung, Drogen, Sauberkeitskult etc. -, sind im Design weniger kritische Untertöne zu finden, allenfalls in George Nelsons Stahlhelmlampenschirm oder Gaetano Pesces übergrosser Tischleuchte ‹Moloch›, 1970/71, die in Bezug zu Claes Oldenburgs überdimensionalen Alltagsgegenständen zu setzen ist, die mit ihrer Aufgeblasenheit und weichen Materie dem Ewigkeitsstatus von Skulptur widersprechen. Ebenfalls erhellend ist die Gegenüberstellung der Bildauflösung von Lichtensteins gelbem Ben-Day-Dots-Pinselstrich, 1965, zu George Nelsons Marshmallow Sofa, 1956. Spannende historische Fotografien zeigen Schaufenstergestaltungen Warhols und Rauschenbergs, Wohnen mit Pop Art Design sowie den amerikanischen Alltag (Robert Venturi und Denise Scott). Der lesenswerte Katalog gibt die angesprochenen Entsprechungen wieder und rundet die gewonnenen Kenntnisse zu Design, Kunst und Lebensalltag ab.

Bis: 03.02.2013



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Ausgabe 12  2012
Institutionen Vitra Design Museum [Berlin/Deutschland]
Autor/in Yvonne Ziegler
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