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Hinweis
12.2012




Zürich : Tobias Kaspar


von: Dominique von Burg

  
links: Tobias Kaspar · I tried to talk to him while he lay in bed, smoking opium. The odor was extremely pleasant, though this seemed a rather odd way of making business, 2012, C-Print, Siebdruck, Ed. von 3 (+ 2 AP), 64 x 79 cm, gerahmt, Courtesy Galerie Peter Kilchmann, Zürich
rechts: Tobias Kaspar · Bodies in the Backdrop, 2012, Ausstellungsansicht, Courtesy Galerie Peter Kilchmann, Zürich


Peggy Guggenheim (1898-1997), die exzentrische Förderin der Avantgarde, pflegte sich mit spitzbübischer Freude unters Publikum zu mischen, nachdem sie ihren Palazzo Venier di Leoni in Venedig samt der bedeutenden Sammlung abstrakter und surrealistischer Kunst 1951 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatte. Peggy Guggenheims Attitüde
imitierend, hat sich der in Berlin lebende Schweizer Tobias Kaspar (*1984) im Palazzo Venier mit einem Fotoapparat bewaffnet an die Fersen der Besucher geheftet. Er fotografierte sie zwischen Interieuransichten der Sammlung und Details von Kunstwerken. Die Serie von zwanzig gerahmten Fotografien demonstrieren ganz eigene Strategien der Appropriation Art. Die Besucherinnen und Besucher sind oftmals an den Bildrand gedrängt, gewisse Bilddetails vergrössert, sodass die Bilder ganz unterschiedlich akzentuiert sind.
Die Relation zwischen Rahmen und Zentrum interessiert den Künstler auch hinsichtlich des Kunstsystems. Die Passepartouts sind mit Exzerpten aus ‹Confessions of an Art Addict›, 1946, versehen. Die Zitate aus den mit viel Klatsch gewürzten Memoiren von Peggy Guggenheim stehen in keinem Bezug zum Dargestellten. So steht unterhalb eines Bildfragments von Picasso, des Porträts eines Mannes in gestreiftem Leibchen, 1939, ‹I tried to talk to him while he lay in bed, smoking opium.
The odor was extremely pleasant, though this seemed a rather odd way of making business›.
Die Stimmung im Peggy Guggenheim Museum fängt Tobias Kaspar mit wenigen assoziationsreichen Anhaltspunkten ein: einer Plexiglaskonstruktion, einem roten Teppich und der Videoarbeit ‹Bodies in the Backdrop›, 2012. Der Titel ist einem gleichnamigen Text von Elisabeth Lebovici über den Kunstkritiker und Sammler Ghislain Mollet-Viéville entlehnt, mit dessen Lebensstil und Vermarktungsgeschick sich Tobias Kaspar auseinandergesetzt hat. Die Referenz auf Peggy Guggenheim - dies zeigte sich schon in früheren Installationen, wie etwa bei der Arbeit ‹Lumpy Blue Sweater›, 2010, - ist keineswegs biografisch zu deuten. In der Ausstellung, die schon in der Halle für Kunst in Lüneburg gezeigt wurde, ist sie als abstrahiertes Modell arrangiert, um Beziehungsnetze in der zeitgenössischen Kunstszene offenzulegen sowie Repräsentations- und Vermarktungspraktiken zu thematisieren, immer mit Blick auf die Akteure, auf deren Selbstinszenierung und auf die Bedingungen der künstlerischen Produktion.

Bis: 22.12.2012



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Ausgabe 12  2012
Ausstellungen Raffi Kalenderian, Tobias Kaspar [02.11.12-22.12.12]
Institutionen Peter Kilchmann [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Tobias Kaspar
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