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Besprechung
1/2.2013


Françoise Theis :  In der Galerie von Bartha Garage zeigt der Schweizer Künstler Beat Zoderer neue Arbeiten, denen Kreis und Kugel zugrunde liegen. Aus verschiedenen Materialien fertigt er geometrische Grundelemente, er legt Arbeitsprozesse offen und lässt Fläche und Volumen ineinander übergehen.


Basel : Beat Zoderer, ‹Zufall und Kalkül›


  
Beat Zoderer · Zufall und Kalkül, 2012, Ausstellungsansicht, Courtesy Galerie von Bartha © Pro Litteris


Beat Zoderer (*1955) knüpft mit der aktuellen Serie ‹Kugelguss› an sein bisheriges Spiel mit Farben und Formen an und überrascht gleichzeitig durch neue Techniken. Zwar hat er früher schon Objekte in Beton gegossen - 1992 hat er mit dieser Technik kurz experimentiert -, doch expliziter als bisher zeichnen sich die neueren Werke durch die Verwendung industriell hergestellter Materialien und das Belassen von Unregelmässigkeiten aus.
Auch der Serie ‹Kugelguss› liegt vorgefertigtes Material zu Grunde: Der Beton wird in Gebilde aus grossen roten Weihnachtskugeln, Styropor- und Plexiglas-Kugeln eingefüllt. Eine amorphe Form entsteht mit einer Oberfläche aus konkaven Kugelabdrucken und dem rohen Bruch des Betons. Ihr Inneres besteht aus einem System von Durchblicken und runden Einformungen. Die Leere, welche bei Zoderer schon immer eine Rolle spielte, wird hier zur materialisierten Darstellungsform. Den im Ausstellungstitel angesprochenen Zufall ortet der Künstler in der Eigendynamik des Betons sowie den einsehbaren inneren Strukturen, welche sich der Vorstellung teilweise entziehen. Das Offenlegen des Gemachten - eines der Merkmale von Zoderers Schaffen - zeigt sich dort, wo auf den glatten Oberflächen noch Reste des Rots oder der Abdruck der Styroporstruktur erkennbar bleiben.
Mit ähnlichem Verfahren hat der Künstler nun auch seine allerersten Bronze­skulpturen ‹Konkaver Torus› gefertigt und auf den Sockel gestellt. Auch sie sind als Werkgruppe angelegt. Nun sei er wohl doch noch nach über dreissigjährigem erfolgreichem Schaffen in der Kunstgeschichte angekommen, meint Zoderer dazu lachend.
Für eine weitere neue Werkgruppe aus doppelseitig bemalten Stahl-Kreisscheiben, ‹Quadratur des Kreises›, biegt Zoderer mit vier schnellen Gesten jeweils vier Kreissegmente nach innen, sodass zunächst ein unregelmässiges Viereck entsteht und dann weitere Faltungen folgen. Trotz schwerem starrem Material und den perforierten Falzen wird man unwillkürlich an das Falten mit Origamipapier erinnert. Der Titel dieser Werkgruppe evoziert das Unmögliche und referiert auf ein Problem, das die Menschheit seit der Antike bewegt und dessen Unlösbarkeit erst vor 130 Jahren bewiesen werden konnte. Zoderer hat diese Problemstellung ironisch vereinfacht, ein paar Randbedingungen weggelassen und sich auf das Essentielle konzentriert: Wie mache ich aus rund eckig? Wie man sieht: ganz einfach!

Bis: 26.01.2013



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Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen Beat Zoderer - Zwischen Kalkül und Zufal [24.11.12-26.01.13]
Institutionen von Bartha Basel [Basel/Schweiz]
Autor/in Françoise Theis
Künstler/in Beat Zoderer
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