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Besprechung
1/2.2013


Gabriel Flückiger :  Auch die zweite Version des Zwischennutzungsprojekts ‹Transform› in Bern setzt den Akzent auf einen offenen Ausstellungsprozess und versteht sich als Experimentierfeld für verschiedene künstlerische Formate und Sparten. Dies zeigt ein Augenschein nach der ersten Woche.


Bern : Transform


  
Max Roth · Passages, 2012, Eschenholz mit Teer, Eisen, Licht


Ein geschnitztes Holz-Kanu hängt an Metallstangen in der Luft und drängt schräg von oben in den Raum. Die klinisch weiss leuchtenden Röhrenlampen am Gestänge der Installation des Berners Max Roth (*1954) bilden einen Kontrast zum warmen Holz und verstärken den schwebend-entrückten Eindruck des Einmann-Bootes. Für Roth ist die Arbeit eine Anlehnung an die Figur des Fährmanns Charon, der in der griechischen Mythologie die Verstorbenen für eine Goldmünze über den Totenfluss von der Welt der Lebenden in das Reich der Toten überführt. Eine Symbolfigur der Umwandlung schlechthin, passend zur Absicht des Kunstprojekts.
Bevor das Fabrikationsgebäude an der Güterstrasse 8 abgerissen und auf dem Areal eine neue Wohnsiedlung entsteht, wandeln sich die einzelnen Räume jede Woche. Die Theatermacherin Sibylle Heiniger (*1969) und der Kunsthistoriker Franz Krähenbühl (*1978) bringen über sechzig Künstler/innen, Theaterschaffende, Tänzer/innen und Musiker/innen zusammen. Diese sind eingeladen, raumspezifische Arbeiten für ein sich stetig wandelndes Gesamtbild zu schaffen. Überlagerungen, Interaktionen und Kooperationen zwischen den unterschiedlichen Formaten und Sparten sollen im Laufe des Projekts immer selbstverständlicher werden.
Francisco Sierra (*1977) machte den Aspekt des Unfertigen und - im wörtlichen Sinne - Flüchtigen zum Ausgangspunkt seiner Arbeiten. Sein Porträt von Michael Jackson blieb vor längerer Zeit auf halbem Weg stecken, da Sierra nach dem Tod des Popstars nicht mehr wusste, wie weiterfahren. Bei ‹Transform› zeigt er das Gemälde mit Transportfolie überdeckt und mit einer Unmenge von Klebeband an die Wand fixiert. Die Arbeit als Vorführung eines Zwischenstadiums verwehrt uns den eigentlichen Bild­inhalt. Zusätzlich nagelte der gebürtige Chilene an verschiedenen Stellen weisses A4-­Papier an die Wände, zeichnete jedoch mit Kugelschreiber direkt auf die Wand, so als wären die kindlich-naiven Motive dem klassischen Bildträger willentlich entwichen.
Manch anderes ist erst als materialisierte Gedankenskizze oder in Form von Spuren vorhanden: Der Erdhaufen von Verena Welten (*1949) sowie die ortsgebundene Mobiliarwerkstatt von Esther Kampf (*1980) lassen sich kaum als Werke sehen, und Rätsel um die Bedeutung der Haare oder der Federn in verschiedenen Räumen bleiben wohl bis zu den noch geplanten Performances bestehen.

Bis: 15.02.2013



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Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen Transform - Versuchsanordnung 2 [30.11.12-15.02.13]
Institutionen Transform [Bern/Schweiz]
Autor/in Gabriel Flückiger
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