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Besprechung
1/2.2013


Alice Henkes :  In ihrem multimedialen Œuvre verbindet die US-amerikanische Künstlerin Edy Ferguson Motive und Sound aus Pop und Film zu einem dichten, assoziationsreichen Geflecht. Die Ausstellung im Centre d'art contemporain inszeniert die Arbeiten in einem überwältigenden Gesamtkunstwerk.


Genève : Edy Ferguson


  
Edy Ferguson · She Is Trying to Disappear, 1998-2012, Sound and video installation, Ausstellungsansicht, Centre d'Art Contemporain Genève


Wie lässt sich ein Kunstwerk mit Leben füllen und wie in die Realität einbinden? Edy Ferguson kleidet ihre Untersuchungen zu Wesen und Wirken der Kunst in ein multimediales Gewand aus Sound, Performances, Bildern, Videos und Objekten. Der akkumulative Charakter ihrer Arbeitsweise ist bis in die kleinsten Zeichnungen spürbar, überall verbinden sich unterschiedliche Techniken und Gesten. Auf motivischer Ebene schöpft sie aus der Welt von Rockmusik und Kino, die sie nicht nur aus der Zuschauerperspektive kennt. 1993 gewann Ferguson einen MTV Music Award für einen Videoclip für die Band Pearl Jam. Kurator Paolo Colombo präsentiert in Genf Arbeiten der letzten zwanzig Jahre. Kongenial unterstreicht die Ausstellung, die in etwas anderer Form zuvor in Athen zu sehen war, Fergusons Arbeitsweise, das vielfache Sampling, das Bilder und Objekte mit assoziativer Kraft auflädt. Die Schau ist nicht die Präsentation einzelner Werke, sie gleicht einem aufregenden Gesamtkunstwerk, einem Mega-Sampling aus Installationen, Objekten, Bildern.
Wie Inseln sind einzelne Installationen im Raum verteilt. Das Soundgemenge, das uns beim Betreten der Ausstellung empfängt, entwirrt sich unter Soundduschen, welche die einzelnen Arbeiten überwölben. Aus den Lautsprechern oder - in einigen Fällen - Kopfhörern, klingen bekannte Songs. Der Beatles-Klassiker ‹Yesterday› ist zu hören, dazu rotiert ein Plastik-Cowboy auf einer Single auf einem portablen Plattenspieler, im Luftstrom aus dem Windkanal flattern rot-weisse Bänder wie im Fahrtwind - ‹All my trouble Seem›, 1994, präsentiert den Traum von Freiheit in einem handlichen Format.
Besonders deutlich wird Fergusons Arbeitsweise in den Bildern und Zeichnungen, die im Nebenraum als Cluster über eine Wand wuchern und in denen immer wieder Prominente aus Film, Fernsehen, Pop - den Sphären des modernen Olymp - auftauchen. Den scheinbar leicht konsumierbaren Motiven fügt Ferguson irritierende Bedeutungsebenen hinzu. Die doppelseitige Collage ‹Princess Diana›, 1998, kombiniert Pressebilder der von Paparazzi bestürmten Prominenten mit Aufschriften, die an Toi­lettengekritzel erinnern. ‹Fame›, 2011, zeigt rote Tanzschuhe wie Judy Garland sie im populären US-Märchenfilm ‹Der Zauberer von Oz› getragen hat, teilweise überlagert von kleinen Bildern, die ausschnittweise neidgrüne Hände, verbundene Augen zeigen und so den Charakter eines unfertigen Puzzlespiels entstehen lassen.

Bis: 03.02.2013



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Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen Edy Ferguson [22.11.12-03.02.13]
Institutionen Centre d'Art Contemporain [Genève/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Edy Ferguson
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