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Besprechung
1/2.2013


Niklaus Oberholzer :  Bekannt sind seine Grossformate in meist abgetönten, wie verschmutzt wirkenden Gelbtönen und mit schweren Balkenelementen. Nun sucht das Kunstmuseum in einer von Helmut Federle zusammen mit der Direktorin Fanni Fetzer erarbeiteten Ausstellung einen anderen Zugang zum Werk des Künstlers.


Luzern : Helmut Federle, ‹American Songline›


  
Helmut Federle · Edelweiss (Ausführung) VIII, 2005, Öl auf Leinwand, 70 x 60 cm © ProLitteris, Courtesy Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien


Drei Werke der Luzerner Ausstellung sind Grossformate. Sie sind, präsentiert in einem als Prolog eingerichteten ersten Saal, die Ausnahme, denn der Künstler zeigt mehrheitlich kleine Formate aus rund dreissig Jahren, wie man sie bisher kaum je zu Gesicht bekam. Das ist die eine Überraschung. Die andere: Federles Malereien werden, ungewohnt beim Werk dieses Malers, nach inhaltlichen Kriterien gegliedert. Die einzelnen Säle sind beschriftet: ‹Offene Systemfelder›, ‹Dunkle Zonen›, ‹Reigen der Zeit›, ‹Disturbed Passages›, ‹Natur of Glory› oder ‹Für die Vögel› ist da zum Beispiel zu lesen. Dass das in goldenen Lettern geschieht, fügt sich zum hohen Ernst, der hinter dem nicht ohne Feierlichkeit und bis ins Detail der Hängung wohldurchdacht präsentierten Unternehmen steht, aber auch zum völligen Fehlen jeder Leichtigkeit oder gar Ironie: Die Ausstellung stellt Ansprüche und verweigert sich jeder simplen Antwort auf die Grundsatzfragen nach Leben und Tod, Gott und Welt.
Federle rührt an Grenzen und stellt sich, indem er Zumutungen nicht ausweicht, sondern diese mit Bedacht pflegt, dem Widerspruch. Er zeigt sich als - romantischer? - Einzelgänger, der unbeirrbar und ohne Furcht vor Missverständnissen seinen Weg steuert - und sei's auf Kollisionskurs. ‹SS-Painting› ist dafür ein Beispiel, aber auch das hoch ästhetische Bild ‹Early Monday Morning of Reza P.>, womit der Schah von Persien gemeint ist, oder die Malerei ‹Okinawa II›, gewidmet dem japanischen Nationalisten, Polit-Aktivisten und Schriftsteller Yukio Mishima (1925-1970), der sich nach seinem theatralisch inszenierten, aber erfolglosen Putschversuch köpfen liess.
Vieles ist Bekenntnis - zu Melancholie, zu Lebensangst, zu Todesvisionen. Oft schimmert Autobiographisches durch oder ein stetes Befragen der eigenen Existenz. ‹Zeichen des Geburtsjahres› - Federle wurde 1944 geboren - sieht aus wie Nazi-Runen. Immer wieder zitiert der Künstler die Buchstaben H und F. In ‹Blumen des Todes› durchdringt ein rotes Kreuz das H. Ein Bildtitel lautet ‹Der letzte Buchstabe eines Namens ist der erste des Todes›. Bekenntnisbilder sind zweifellos auch ‹Song for Golgotha (Hiroshima)› und die beiden ‹Untitled›, 1990, golden monochrom, aber voller Mal- und Lebensspuren, eine offene Projektionsfläche für unser Denken und Fühlen, und ‹Gott›, 2000-2003: Auch das eine Gold-Malerei, die oben ins Violette wechselt, und die von einem dunklen Liniengeflecht durchzogen ist: Sehen wir verdorrte Äste oder ein zersplittertes Glas? Jedenfalls ein Gottesbild der Fragezeichen.

Bis: 03.02.2013



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Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen Helmut Federle [03.11.12-03.02.13]
Institutionen Kunstmuseum Luzern [Luzern/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Helmut Federle
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