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Besprechung
1/2.2013


Daniel Morgenthaler :  Wer vom Nahen Osten nicht nur schlechte Nachrichten hören, sondern ihn mittels guter Kunst auch erleben will, hatte und hat dafür gleich zwei Gelegenheiten, einmal im Rahmen der ersten palästinensischen Kunst­biennale in Ramallah und einmal im Forum im Schlossplatz in ­Aarau.


Aarau : ‹Amman Journal› und ‹Qalandiya International›


  
Cornelia Parker · Made in Bethlehem, 2012, Video, 7'53', Film eines Dornenkronen-Workshops einer palästinensischen Familie, aus ‹Gestures in Time›, Qalandiya International


Das Forum Schlossplatz zeigt momentan die Ausstellung ‹Amman Journal›: Ein von der Kuratorin Sibylle Omlin während eines Aufenthalts in der jordanischen Hauptstadt geführtes Tagebuch bildet das Rückgrat dieser Schau mit gut zehn Positionen - nahöstlichen wie schweizerischen. Statt wie Omlin mit Worten hat Christoph Rütimann seinen Aufenthalt in Amman 2007 filmisch dokumentiert. Nun ist in der Aarauer Ausstellung die mehrteilige Videoarbeit ‹Handrail Jordan› zu sehen, in welcher der Künstler Wasserleitungen und Geländer mit der Kamera nachfährt. Oraib Toukan aus Amman wiederum hat für eine Fotoserie untersucht, wie inflationär der jordanische König im öffentlichen Stadtraum abgebildet ist.
In den Begleitbroschüren wird auch die palästinensische Migration nach und aus Jordanien thematisiert. Amman ist heute für viele Palästinenser, die über keine Bewilligung zur Einreise nach Jerusalem und zur Benutzung des Flughafens in Tel Aviv verfügen, die einzige Flugverbindung zur Aussenwelt. Das war nicht immer so: Der Flughafen von Jerusalem war auch schon für Palästinenser benutzbar. Heute steht an derselben Stelle einer der berüchtigsten Checkpoints der Mauer, mit der die israelische Regierung das Westjordanland abriegelt. Der Ort Qalandiya ist entsprechend zum traurigen Symbol für die Situation der staatenlosen Palästinenser geworden.
Qalandiya ist deshalb auch eine sinnvolle Verortung für eine palästinensische Kunstbiennale mit explizit politischer Ausrichtung, die Anfang November zum ersten Mal stattfand. Auch hier war die Schweizer Beteiligung hoch: Neben der Palästinenserin Lara Khaldi war mit Katya Garcia-Anton eine Kuratorin mit Wohnsitz in Zürich verantwortlich für die Hauptausstellung dieser Biennale. Die Schau mit dem Titel ‹Gestures in Time› versammelte rund dreissig palästinensische und internationale Künstler/innen. Während Erick Beltran an eine mysteriöse palästinensische Untergrund-Zeitung erinnerte - der Mexikaner arbeitete während der kurzen Ausstellungsdauer noch an der Veröffentlichung einer neuen Ausgabe - kooperierte Rheim Alkadhi eng mit den Bewohnern eines Dorfes - bis so viele menschliche Haare zusammengesetzt waren, dass der resultierende Faden bis nach Jerusalem reichen würde. Die Hoffnung reisst bekanntlich zuletzt.

Bis: 27.01.2013



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Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen Amman Journal [10.11.12-27.01.13]
Institutionen Forum Schlossplatz [Aarau/Schweiz]
Autor/in Daniel Morgenthaler
Link http://www.qalandiyainternational.org
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