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1/2.2013




Bonn : Charline von Heyl


von: Sabine Elsa Müller

  
links: Charline von Heyl · Oread, 2011, Acryl, Öl und Ölkreide auf Leinwand, 208 x 188 cm, Courtesy Carol Server Frankel Collection, New York
rechts: Charline von Heyl · Installationsansicht Bonner Kunstverein. Foto: Simon Vogel


«Gute Bilder besitzen die Fähigkeit, zu verführen. Und sobald man sich umdreht, kann man sie sich absolut nicht mehr vorstellen. Sie hinterlassen eine Leere im Kopf, eine Sehnsucht.» Besser als mit Charline von Heyls eigenen Worten lässt sich die Wirkung ihrer Bilder kaum beschreiben. Man weiss sofort, dass sie gut sind; lässt sich von ihnen einfangen, versucht, den einzelnen Schritten und Entscheidungen auf die Spur zu kommen, nachzuverfolgen, wie sich wilde Strukturen wie lebendige Organismen über die Leinwand fressen, von jüngeren Lagen überwuchert oder zurückgedrängt werden, sich mit ihnen vereinen, irgendwo unvermittelt enden. Es passiert so viel in diesen Bildern, in denen sich Malerisches und Grafisches miteinander verbinden, ohne dass sich das Geschehen in eine Begrifflichkeit fassen liesse. Ist das Abstraktion oder spielt nicht auch die Figuration eine wichtige Rolle, auch Illustrative und die nicht auszublendende Präsenz der Werbeästhetik? Es ist vor allem Malerei auf der Höhe ihrer Zeit.
Mit zwölf grossen Formaten in Acryl und Öl auf Nessel, der Schwarzweiss-Serie ‹Sailors Soul› sowie Papierarbeiten holt der Bonner Kunstverein eine Auswahl aus der grossen Von-Heyl-Ausstellung ‹Now or Else›, die 2012 von der Tate Liverpool und der Kunsthalle Nürnberg gemeinsam konzipiert wurde, ins Rheinland. Hier liegen ihre Wurzeln.
Charline von Heyl (*1960) ist in Bonn aufgewachsen. Nach einem Jahr an der Hamburger Kunstakademie wechselte sie nach Düsseldorf und zählte Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre zum Kreis der Kölner Kunstszene zwischen Martin Kippenberger und Rosemarie Trockel. 1996 ging sie nach New York, wo sie, neben ihrem zweiten Wohnort Marfa, Texas, bis heute lebt. So dankenswert die Bonner Präsentation ist, man hätte sich doch etwas mehr Dynamik gewünscht. Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Leinwandarbeiten derart monoton auf den Wänden verteilt werden, während die Papierarbeiten und ein Künstlerbuch in einen dem Raum eingestellten Kubus verbannt sind. Hier kommt eine andere Facette von Charline von Heyl zum Vorschein: Bei den Papierarbeiten sprengt der Bildaufbau unter Einbeziehung von Drucktechniken und Collage die Fläche. Aufmontierte durchsichtige Folien bringen eine weitere Ebene herein, die gleichzeitig eigenständiger Bildträger und Dialogpartner der darunterliegenden Konfiguration ist. Das Variationspotential wird nochmal erhöht, aber die Form bleibt gebändigt. Chapeau!

Bis: 03.02.2013



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Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen Charline von Heyl [09.11.12-03.02.13]
Institutionen Bonner Kunstverein [Bonn/Deutschland]
Autor/in Sabine Elsa Müller
Künstler/in Charline von Heyl
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