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Hinweis
1/2.2013




Chiasso : Biennale dell'immagine


von: Ruth Händler

  
links: Stefania Gurdowa · Studio-Porträts, Beginn 20. Jahrhundert
rechts: Vivian Maier · Untitled (Three Boys in a Car), 1955, 30,5 x 30,5 cm, Jeffrey Goldstein Coll.


Kinderbetreuen war ihr Beruf, ­Fotografieren ihre Berufung: Das Werk von ­Vivian Maier (*1926-2009, New York), Tochter von US-Einwanderern mit französischem und österreichischem Hintergrund, ist seit kurzem die grosse Entdeckung im Genre der amerikanischen Strassenfotografie. Denn die Frau hinter der Kamera, die auf ihren Streifzügen alle Facetten der Grossstadt verewigte, hat zeitlebens nie ausgestellt. Bis jetzt ist erst ein kleiner Teil des riesigen Schatzes von über 100000 Negativen, 20000 Farbdiapositiven und hunderten von Filmrollen gesichtet, die 2007 als Zufallsfund an die Öffentlichkeit gelangten.
Eine Auswahl von Maiers faszinierenden Schwarz-Weiss-Aufnahmen aus den fünfziger und sechziger Jahren bilden jetzt das Highlight der 8. Biennale dell'immagine in Chiasso. Die Schau im Spazio Officina, arrangiert von der Galerie Cons Arc mit Fotos aus der Jeffrey Goldstein Collection Chicago, ist ihre erste Ausstellung in der Schweiz und wahrscheinlich auch die bislang grösste in Europa.
Gross genug jedenfalls, um die Besucher selbst zu Flaneuren zu machen in den Strassen von New York und Chicago, sie zu konfrontieren mit Randgestalten, namenlosen Passanten oder Prominenten wie Richard Nixon. Die offenbar sehr selbstbestimmte Nanny, die man sich als eine Art Mary Poppins mit der Rolleiflex vorstellen darf, hatte ein unbestechliches Auge für die kleinen Momente, die kurz herausragen aus dem Meer der Zeit - für den Windstoss, der die elegante Frisur zerzaust, für den Sonnenstrahl auf einem Arbeitergesicht, vor allem aber auch für Kinder, die sie als eigenständige Persönlichkeiten festhielt.
Manche Aufnahmen zeigen ihr Gespür für modische Extravaganz und wirken wie Vorläufer der heutigen Streetstyle-Fotografie. In den Spiegelungen, Reflektionen und Schattenwürfen findet sich auch immer mal wieder die Fotografin selbst - hier ein dunkler Umriss mit Hut, dort eine hochgewachsene Frau im schlichten karierten Kleid, mit der Kamera vor dem Bauch.
Neben der Vivian-Maier-Schau, die begleitet wird von Fotografien und Videos zeitgenössischer Fotografinnen mit CH-Bezug, bietet die diesjährige Tessiner Foto-Biennale unter dem Motto ‹Ogni sguardo un passo - Jeder Blick ein Schritt› andere Trouvaillen. Das m.a.x. museo etwa versammelt die suggestiven Doppel-Bildnisse der polnischen Porträt-Fotografin Stefania Gurdowa (1888-1968) und widmet seine Hauptausstellung der grossen Bauhaus-Fotografin Lucia Moholy, deren sachliche Aufnahmen von Architekturen, Interieurs, Design-Produkten und Lehrern sich zu einem Gesamtporträt der Kunstschule in Weimar und Dessau formieren.

Bis: 31.01.2013



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Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen Bi6 Biennale dell'immagine [21.09.08-23.11.08]
Institutionen Spazio Officina [Chiasso/Schweiz]
Institutionen m.a.x.museo [Chiasso/Schweiz]
Autor/in Ruth Händler
Link http://www.consarc.ch/bi/bi.htm
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