Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
1/2.2013




Genève : ‹Mr I› anwesend/abwesend


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Mr I/Mathilde Agius, 2012, Gesamtansicht. Foto: Mathilde
rechts: Mr I/Mathis Altmann, 2012, Teilansicht.RW2. Foto: Jeanne Graff


Arbeiten, die den Ausstellungsraum ausloten, ihn aus den Angeln heben, seine Grenzen verflüssigen, sind natürlich keine Neuheit mehr. Die Dichterin-Galeristin Jeanne Graff und der Künstler-Galerist Paul-Aymar Mourgue d'Algue treiben nun aber mit gleich vier Gefährten solche Spiele im Rahmen des laufenden Ausstellungsprogramms.
Soeben haben Philippe Decrauzat und Mourgue d'Algue altes Blei in eine Schramme gegossen, die im Boden der Galerie klaffte, nachdem sie ihm eine der gesprenkelten Kacheln entrissen haben, um sie für eine Wandarbeit unter den Scanner zu legen. Das erkaltende Metall bildet auf seiner Haut immer wieder neue Farbschimmer. Trotz der beissenden Dämpfe, die es freisetzt, können wir uns kaum von dem Schauspiel lösen.
Gewöhnlich hält sich ‹Mr I› an das Skript, das ihm Jeanne Graff in Gedichtform vorgelegt hat. Das Ende davon lautet: «Mr. I wishes to be invisible./He fills all the places he walks into./Mr. I is here.» Dieses auf ein Jahr angelegte Projekt, an dem weiter das Duo Kaiser Kraft und Blair Thurman mitmachen, will in der Galerie - ausgehend von ihrer Architektur - ein besonderes Klima schaffen: Der Prozess, den Decrauzat und Mourgue d'Algues mit ihrer Aneignung einer Kachel eingeleitet haben, wird den Innenraum im Endeffekt nur allmählich schwängern. Kaiser Kraft und Thurman lassen im 24-Stunden-Rhythmus die Bedeutung von Objekten zwischen Kunst und Gebrauchsgut hin und her kippen - abhängig von Ort und Sicht. So kreierte Kaiser Kraft eine Sitzbank, die während der Öffnungszeiten der Galerie draussen benutzt werden kann, sonst aber als Kunstfetisch in der erleuchteten Galerie steht, während Thurman die nachts finsteren Vitrinen des Heizkörperateliers nebenan mit einer Neonskulptur anreicherte und so zum Kunstwerk macht.
Bis jetzt hat das Experiment der Gruppe, in der nicht nur die Galeristen klare Identitäten unterlaufen, dem gleichzeitig unbeirrt fortgeführten Ausstellungsprogramm der Galerie nicht weh getan, sondern darin eine weitere Knospe platzen lassen.



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen Mr I (M. Altmann, B. Thurman u.a.) [06.12.12-31.03.13]
Institutionen Graff Mourgue d'Algue [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=1301061117019A9-27
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.