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1/2.2013




Karlsruhe : Ein Sechstel der Erde. Über die Beziehung des Bildes zur Welt


von: Yvonne Ziegler

  
links: Ghenadie Popescu · Navigable Bîc, 2008, Filmstill, Ein-Kanal-Video
rechts: Kristina Norman · Dokumentation der Künstleraktion am 9. Mai 2009 am ehemaligen Standort des Bronze-Soldat-Monuments im Zentrum von Tallinn, 2009


Sie sind poetisch und surreal, witzig und erhellend, die Videos und schriftlichen Statements von 25 Künstler/innen aus dem ehemaligen Ostblock und den sozialistischen Balkanstaaten, die derzeit das Zentrum für Kunst und Medientechnologie unter dem Titel ‹Ein Sechstel der Erde. Über die Beziehung des Bildes zur Welt› zeigt. Kurator Mark Nash liess sich von den Künstlerkontakten der vom Kommunismus geprägten Länder leiten und präsentiert eine subjektive Schau mit politisch-sozialen und gender-ökologischen Themen. Im Lesebereich liegt eine Zeitung aus, die Fotos und Überlegungen eines von 1995 bis 2005 währenden Projektes der ex-jugoslawischen Künstler Aleksandar Battista Ilić, Ivana Keser und Tomislav Gotovac zeigt, die eine Parallele zwischen ihrem Wandern durch das Medvednica-Gebirge bei Zagreb und dem Kunstschaffen ziehen. Damit bieten sie uns Gedankenanstösse für das eigene Denken, Gehen und Sehen. Andere Werke zeigen, wie zerstört die Natur in der postkommunistischen Ära ist. Mit einem Modellboot aus karierten Wachstuchtaschen spürt Ghenadie Popescu dem Fluss Bîc nach. Eine absurd ernsthafte Aktion, die durch unterschiedliche Gegenden Moldawiens führt. In Slowenien fängt Andrej Zdravič mit einer Unterwasserkamera die Naturschönheit des Flusses Soča ein, an dessen Ufern einst grausige Schlachten des ­1. Weltkrieges tobten. Vergangenes und Gegenwärtiges mischen sich. Da sieht man polnische Bauern mit ihren aufgrund von ehemals fehlenden Ersatzteilen selbst zusammen gewerkelten Landwirtschaftsmaschinen strahlen oder Roma-Kinder - bis heute ohne Heimat - in den Strassen Silberpappelsamen anzünden. Eine aus Erinnerungen (eines Fischermädchens) und Fantasie (moderne Schönheiten mit Fuchsfellen in der Salzwüste) gewobene Geschichte von Almagul Menlibayeva rankt sich um eines der grössten ökologischen Desaster: das zunehmende Verschwinden des Aralsees. Auch nationale Symbole wie Denkmäler und Flaggen sowie Dokumentationen und Reenactments von revolutionären Schlüsselmomenten sind präsent: Mircea Cantor lässt eine Flagge verbrennen, Kristina Norman stellt in Tallinn ein ausgemustertes Soldatendenkmal in Pappmaché wieder auf, während Victor Alimpiev ein faszinierendes Tableau vivant mit verblichenen Fahnen schafft. Im offenen Raum auf einzeln stehende Wände projiziert ergibt sich ein loser Zusammenhang von bewegten Bildern, durch die man frei flanieren.

Bis: 01.04.2013



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Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen Ein Sechstel der Erde [03.11.12-01.04.13]
Institutionen ZKM | Zentrum für Kunst und Medien [Karlsruhe/Deutschland]
Autor/in Yvonne Ziegler
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