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1/2.2013




Mainz : Attila Csörgö und Roman Signer


von: Grit Weber

  
links: Attila Csörgö · Ohne Titel (1 Tetraeder + 1 Würfel + Oktaeder = 1 Ikosaeder), 1999, © ProLitteris, Courtesy Galerija Gregor Podnar, Berlin/Ljubljana. Foto: Norbert Miguletz
rechts: Roman Signer · Volets, 2012, Courtesy Galerie Martin Janda, Wien. Foto: Norbert Miguletz


Wenn zwei Künstler das gleiche Interesse am Experiment haben, zudem skulpturale Arbeiten produzieren, heisst das noch lange nicht, dass ihre Werke am Ende wirklich viel miteinander gemeinsam hätten. Bei Attila Csörgö und Roman Signer sind die Ergebnisse ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit physikalischen Gegebenheiten zudem noch derart unterschiedlich, dass die erste Ausstellung, die der neue Leiter der Mainzer Kunsthalle, Thomas D. Trummer, für diesen Ort konzipiert hat, wie zwei Einzelschauen wirken. So zeigt Signer, der ja ebenso Performancekünstler wie Bildhauer ist, mit ‹Volets›, 2012 eine Versuchsanlage, bei der die Windkraft von drei grossen Ventilatoren die Holzfensterläden einer Fassadenattrappe auf- und wieder zuklappen lässt. Kenner/innen seiner Kunst erinnern sich sofort an seine Untersuchungen mit Feuerwerkskörpern am Kurhaus Weissbad. Der Ventilator kommt im Kanon von Signer recht häufig vor, ebenso wie ein rotes Kajak (in Mainz hängt eins im offenen Hafengelände an einem Lastenkran und ein anderes schwimmt in einem unbewegten Wasserkanal im Innenraum), aber auch rote Bänder und Signers berühmte Koffer. Der in St. Gallen lebende Künstler sagte einmal, er sei kein «Formensucher», sondern stelle mit Gegenständen bestimmte Situationen nach, die ihn interessieren. Da Signers Annäherungen an Möglichkeiten und Grenzen von Dingen stets mit der Gefahr des Scheiterns einhergehen, sind seine Arbeiten häufig von einem feinen Humor durchwirkt. In den Räumen der Kunsthalle wirken seine Installationen hingegen eher unvermittelt und manchmal auch roh. Denn am wohlsten fühlt sich Signer mit seiner empirisch erprobten Kunst immer noch in der freien Landschaft, was die Schau in Mainz mit einem kleinen Kino und Signers Filmen zu seinen Freiluftexperimenten berücksichtigt.
Attila Csörgös raumgreifende Werke haben diese Brücke nicht nötig, vermittelt sich seine Kunst doch vor allem dadurch, dass hier der Faktor Zeit wichtiger ist als bei Signer, sich somit die Arbeiten durch fasziniertes Beobachten erschliessen lassen. Dann sieht man beispielsweise, wie mit Fäden verspannte Konstruktionen, die Körper andeuten, sich langsam verändern, auseinander driften, bis es nur noch zusammenhanglose Gestänge sind. Würde man sich in diesem Moment von diesen Vorrichtungen abwenden, könnte Csörgö als Dekonstruktivist unserer materiellen Welt durchgehen. Aber mit fortdauernder Bewegung ergeben die Vorrichtungen neue und andere Körper. Csörgös Atelier ist also ein Versuchslabor, in dem mechanische Grundlagenforschungen zu einer künstlerischen Form finden. Signers Atelier hingegen ist die freie Naturkraft. Csörgö sucht das Taktile, Signer die Expansion.

Bis: 17.02.2013


Vortrag Rainer Metzger zu Artistic Research, 9.1.; Vortrag Roos Gortzak über Roman Signer, 23.1.



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Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen Attila Csörgö, Roman Signer [09.11.12-17.02.13]
Institutionen Kunsthalle Mainz [Mainz/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Roman Signer
Künstler/in Attila Csörgö
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