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Hinweis
1/2.2013




Olten : ...wie der Schatten das Licht...


von: Iris Kretzschmar

  
links: Christina Hemauer/Roman Keller · End of Life (Beitrag zur Ineffizienz der Poesie), 2011, Farbfotografie auf Cibachrome
rechts: Daniel Glaser/Magdalena Kunz · Aton & Amen, 2010/2011, Kinematographische Skulptur, New York/Turino 2 Talking Heads, Sound


Passend zu den dunkelsten Monaten des Jahres ziehen Dorothee Mesmer und Katja Herlach im Oltener Kunstmuseum einen zeitübergreifenden Spannungsbogen, der sich mit der - im Barock so meisterlich inszenierten - Dramaturgie von Licht und Schatten auseinandersetzt. Thematisch gegliedert, treten Werke der Sammlung mit jüngeren Arbeiten aus dem Schweizer Kunstschaffen in einen Dialog.
Als Auftakt, unter dem Aspekt ‹Göttliches Licht, sind gleich mehrere biblische Szenen aus dem 17. und 18. Jahrhundert versammelt, darunter eine delikat gemalte Krippendarstellung, die aus dem nahegelegenen Kloster Schönenwerd stammt und in Oltener Privatbesitz gelangte. Das Erscheinen Christi erhält ein zeitgenössisches Gegenüber mit der erleuchteten weiblichen Gestalt von Agnes Barmettler. Das Erlöschen des Lichtes hingegen zeigt die Fotoserie von Christina Hemauer und Roman Keller: Mit Pathos haucht eine Glühbirne ihren «Lebens­odem» aus, bezeichnend für den Wechsel zu einer neuen Technologie im 21. Jahrhundert.
Nach der Helle hinunter zu den verschlingenden Schatten der Hölle, die Dunkelheit verhüllt hier die Abgründe der menschlichen Psyche: Das monumentale Inferno von Marc-Antoine Fehr inszeniert eine Masse gequälter Körper, während bei Aldo Solari die private Einsamkeit des gemarterten Individuums sichtbar wird. Loderndes Feuer trägt der Künstlerheld von Andreas Helbling in seiner Brust. Die Videoprojektion ‹Brave Heart› spielt auf das gleichnamige filmische Epos an und parodiert den schöpferischen Überlebenskampf. Als lakonischer Kommentar steht daneben ein erloschener Malerpaletten-Vulkan von Christian Rothacher, eine Hommage an Max Gubler.
Ungewöhnlich leise kommt die Installation ‹Tropfen› von Roman Signer daher. Der bekannte Sprengmeister zeigt sich hier von seiner anderen Seite: Beinahe lautlos fallende Wassertropfen verursachen eine raumgreifende Lichterscheinungs-Poesie. Ebenso behutsam enthüllt das schweifende Videoauge von André Bless Lichtinseln: Girlande und Rocaille aus Stuck verwandeln den Treppenaufgang des Museums für kurze Zeit in ein barockes Schlossgewölbe.
Neben den stillen Arbeiten zieht ein Gespräch die Aufmerksamkeit in Bann: Die kinematografische Skulptur ‹Aton und Amen› von Daniel Glaser und Magdalena Kunz beleuchtet zwei Knaben aus New York, die eine mögliche Umweltkatastrophe befürchten. So stehen als letzter Akt der Ausstellung kollektive Ängste und die grossen Lebensfragen im Raum.

Bis: 27.01.2013


Kunstmuseum, Stadtkirche und städtischer Aussenraum



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Ausgabe 1/2  2013
Ausstellungen ...wie der Schatten das Licht... [24.11.12-27.01.13]
Institutionen Kunstmuseum Olten [Olten/Schweiz]
Autor/in Iris Kretzschmar
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