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Besprechung
3.2013


Lucia Angela Cavegn :  Seit der Neuausrichtung 2010 versteht sich das Vögele Kultur Zentrum als Plattform für Zeitfragen und gesellschaftsrelevante Themen. Die aktuelle Ausstellung steht ganz im Zeichen der Brücke. Sie beleuchtet die Bedeutung des Brückenschlagens als kultureller Akt - auch im zwischenmenschlichen Bereich.


Pfäffikon : ‹Von hier nach dort›


  
Von hier nach dort, 2013, Szenografie Daniel Hunziker, Kultur Zentrum Vögele. Foto: Katharina Wernli


Für die Ausstellung zeichnen die freischaffende Zürcher Kuratorin Alexandra Könz und der Zürcher Szenograf Daniel Hunziker verantwortlich. Anhand von Kunstwerken, dokumentarischem Material wie Briefen und filmischen Aufzeichnungen sowie Architekturplänen und -modellen werden wir auf mehreren Ebenen an das Thema herangeführt. Der Brückenbau als architektonische Leistung ist denn auch nur ein Teilaspekt der Schau. Die metaphorische Auslegung des Begriffs ermöglicht eine breite Auslegeordnung unter Einbezug der politischen und gesellschaftlichen Dimension. Die Ausstellungsarchitektur mit Betonelementen und gespannten Drahtseilen wirkt unaufdringlich und garantiert, dass man trotz der Vielzahl der Exponate und Medienformen nicht den Überblick verliert.
Die Einleitung zu den Themenblöcken ‹Graben – Vision – Bauprozess – Fertige Brücke› geben jeweils zwei Video-Interviews mit einem zeitgenössischen Brückenbauer aus der Architektur bzw. dem Ingenieurwesen und einer Persönlichkeit, die im sozialen Bereich Verbindungen herstellt. Ein künstlerisches Projekt, das utopische Züge trägt, ist ‹Adopted›, 2010, von Gudrun F. Widlock und Rouven Rech. Es schildert, wie in Umkehr zur gewohnten Adoptionssituation emotional unterversorgte Europäer symbolisch an afrikanische Patenfamilien vermittelt werden. Die Möglichkeit des Scheiterns zeigt die Arbeit ‹Kleine Hermeneutik des Schweigens›, 1992, von Thomas Locher auf. In die Oberfläche des länglichen Tisches sind Sätze eingraviert, die als negative Kommunikation die zwischenmenschliche Distanz untermauern, anstatt sie zu überbrücken. Nicht nur als Verbindung von hier nach da, sondern auch als Wohnsitz wird die Brücke thematisiert, beispielsweise als Dach über dem Kopf für einen Clochard in der Aufnahme ‹Da gibt’s einen Ort›, 2007, von Marianne Halter oder als Teil eines städtebaulichen Plans für die norwegische Region Grenland.
Eine ähnliche Vision formulierte bereits 1969 der Zürcher Architekt Hugo Wandeler, als er für die Limmatstadt eine Seebrücke mit Ladenpassage, Büros und Wohnungen vorschlug. Zu wenig kommt in der Schau die (willentliche) Zerstörung bestehender Brücken zur Sprache. So wurde die Holzbrücke von Grubenmann, die bei Schaffhausen über den Rhein führte (Modell ist ausgestellt), 1799 durch napoleonische Soldaten in Brand gelegt. Und es gibt Menschen, die alle Brücken hinter sich abbrechen…

Bis: 10.03.2013



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Ausgabe 3  2013
Ausstellungen Von hier nach dort [04.11.12-10.03.13]
Institutionen Vögele Kultur Zentrum [Pfäffikon SZ/Schweiz]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
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