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Besprechung
3.2013


Dominique von Burg :  Klodin Erb bindet ihre neuen Werke in ein räumlich installatives Farbkonzept ein. Die abstrakt-figurativen Bilder leben von einem sinnlichen Farbenfest und eruptiven Gesten. Ihnen liegen klassische Themen zugrunde, die in oft ironisierender Weise zeitgemäss interpretiert sind.


Zürich : Klodin Erb


  
Klodin Erb · Ausstellungsansicht Rotwand, Zürich, 2013. Foto: Irja Böhm


Die von senfgelb, pistache über ziegelrot und mauvefarben zu rosabeige bemalten Wänden erzeugen abgewogene Farbräume für die neuen Werke von Klodin Erb (*1963, Winterthur). Sie verstärken die Motive. So scheint der leuchtend rote Hintergrund eine auf einer explodierenden Lampe stehende Maria-mit-Kind in eine schützende Atmosphäre zu hüllen, während das frische Grün der Wand die erotische Note des Gemäldes ‹Kleine Dusche, grosse Brüste›, 2012, steigert. Es geschieht sehr viel in dieser Bildwelt. Gesampelte kunsthistorische Motive prallen fast zufällig aufeinander. Sie schwimmen wie disparate Fragmente im «tosenden Nektar» aus leuchtenden, transparenten und gestisch aufgetragenen dreckigen Farbtönen und verbinden sich zu komprimierten, traumähnlichen Szenerien. In illusionären Räumen blitzen sinnlich-haptische Momente auf eckigen Farbtönen. In ihrer samtenen Unschärfe sind die Motive nicht leicht erkennbar. Und hat man ihre Herkunft endlich enträtselt, gelangt man oft zu widersprüchlichen Interpretationen.
Die neuen Werke kreisen um das Thema Narzissmus, so um Oscar Wildes Roman ‹Das Bildnis des Dorian Gray›, 1891. In dessen Hedonismus erkennt die Künstlerin zahlreiche Parallelen zum heute exzessiv kultivierten Schönheitswahn, zum Jugendkult und zur egomanischen Selbstbespiegelung. So könnte ‹Doppelakt mit roten Augen›, 2012, zwei sich in einem Weiher betrachtenden Frauen, auf Gray verweisen. Die Rotäugige erscheint als gealtertes alter Ego, das - wie auch Dorian Gray - jung und schön blieb, während sein Porträtbildnis zunehmend vom Prozess des Alterns und seinem ausschweifenden Lebensstil gekennzeichnet war. Der mit Selbstverliebtheit einhergehende Unsterblichkeits- und Grössenwahn lässt sich auch auf Architektur übertragen. In ‹Das Geheimnis›, 2012, scheint Pieter Bruegels Turmbau zu Babel aus einem Ei heraus zu wachsen. In einer Ecke lugt ein klassisches Landschaftsstück hervor, während der Vordergrund von abstrakten Form- und Farbgefügen dominiert wird. Wie in vielen von Erbs Werken kämpfen hier Abstraktion und Figuration auf eine irritierende Weise miteinander.
Dieses Werk ist auch für Erb ein Geheimnis. Bilder müssen für sie nicht entschlüsselbar sein, sondern sollen ein Eigenleben entwickeln. Darin liegt das essentielle Potenzial dieser kraftvollen Malerei, die in ihren unaufgelösten Widersprüchen die Realität global kollidierender Wertesysteme spiegelt.

Bis: 09.03.2013



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Ausgabe 3  2013
Ausstellungen Klodin Erb [24.01.13-09.03.13]
Institutionen Galerie Rotwand [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Klodin Erb
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