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Besprechung
3.2013


Daniel Morgenthaler :  Nach einem kollektiven Gastspiel in der Kunsthalle Bern ist ­Tobias Madison mit einer Art Einzelausstellung in die Kunsthalle Zürich eingezogen. Bleiben tut dieser äusserst erfolgreiche Künstler aber nirgends lange, stattdessen bespielt er parallel grad mehrere Plattformen.


Zürich : Tobias Madison, ‹NO; NO; H›


  
Tobias Madison · «NO; NO; H», 2013, Installationsansicht, Kunsthalle Zürich. Foto: Stefan Altenburger


Für ganz viele andere Künstler|innen wäre die Kunsthalle Zürich die Karrierestation schlechthin. Für Tobias Madison (*1985) aber, diesen Ausnahmekünstler unter den - schon als globales Erfolgslabel gehandelten - «Young Swiss Artists», ist diese Institution nur eine von vielen. Das zeigt sich nur schon darin, dass die Räume im Löwenbräu - Madison wurde von der Kuratorin Beatrix Ruf der grosse Saal in der neuen «Aufstockung Kunst» zur Verfügung gestellt - fast nur als Träger von Verweisen auf die anderen Räumlichkeiten dienen, in denen diese Schau ebenfalls stattfindet.
Die Kunsthalle wird einerseits als Pinnwand für Plakate genutzt, die - gestaltet von Mathis Altmann - auf Veranstaltungen wie Klubnächte oder Filmscreenings in der Zürcher Longstreet Bar oder im von Madison mit anderen Künstlerinnen und Künstlern betriebenen ‹AP News› hinweisen. Andererseits werden zwei Räume dazu genutzt, noch einmal intensiver auf diese beiden Satelliten aufmerksam zu machen: Madison hat darin die Grundrisse der Bar und des Filmraums platziert, einmal aus Armierungsstahl, einmal aus Rohren, die mit Banknoten bekleistert sind. (Nicht mit Franken, soweit geht Madison dann doch nicht, sondern mit Noten, die in asiatischen Ländern den Toten als «Höllengeld» mitgegeben werden.)
Hier ziehen also zwei richtige «Lebensräume» - Räume, in denen das Nacht- und anderes Leben direkter erfahrbar sind, als in einer Kunstinstitution - stellvertretend in den White Cube ein. Früher geschah diese Raumverschiebung noch über Medien wie die Landschaftsmalerei, die uns gedanklich an Orte ausserhalb des Ausstellungsraums transportierte. Heute braucht ein Künstler wie Madison nur noch den Rahmen - also den Grundriss - in den Saal zu legen. Die Räume, in die wir transportiert werden sollen, sind ja auch nur eine Fahrradfahrt entfernt.
Longstreet Bar und AP News sind am Ende vielleicht gar nicht die Satelliten dieser Ausstellung. Vielleicht wird hier vielmehr die Kunsthalle selbst zu ihrem ­eigenen Satelliten. Das ist nur konsequent, wenn man bedenkt, dass Künstler wie Madison für ihren Weltruhm nicht auf die Unterstützung von Institutionen warteten, sondern sich selbst Räume - etwa das ebenfalls schon weltbekannte ‹New Jerseyy› in Basel - schafften. Mittlerweile haben die Institutionen Madison vielleicht fast nötiger als er sie.

Bis: 24.03.2013



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Ausgabe 3  2013
Ausstellungen Uri Aran, Tobias Madison [02.02.13-24.03.13]
Institutionen Kunsthalle Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Daniel Morgenthaler
Künstler/in Tobias Madison
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