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Hinweis
3.2013




Bern : Itten-Klee. Kosmos Farbe.


von: Yvonne Ziegler

  
links: Johannes Itten · Die Begegnung, 1916, Öl auf Leinwand, 105 x 80 cm, Kunsthaus Zürich ©ProLitteris
rechts: Paul Klee · vor dem Blitz, 1923, 150, Aquarell, Bleistift, Feder auf Papier und Karton, 28 x 31,5 cm, Fondation Beyeler, Riehen/Basel


Ittens Farbkreis kennt wohl jeder. Aber wie steht es mit seinem Œuvre? Eine gelungene Ausstellung im Kunstmuseum Bern zeigt Johann Ittens Gemälde erstmals zusammen mit Werken Paul Klees. Die Parallelführung der beiden Bauhauslehrer verdeutlicht gemeinsame Inspirationsquellen wie die Malerei von Robert und Sonia Delaunay sowie ihre sich gegenseitig befruchtende Auseinandersetzung mit Farbe und Farbsystemen. Während sich Itten Zeit seines Lebens auch auf analytischer Ebene mit Farbe beschäftigte, spielte diese in Klees Werk eher eine sekundäre, unterstützende Rolle. In der Ausstellung blitzen sein Ideenreichtum, seine experimentellen Techniken und seine begnadete Zeichenkraft hervor. Itten setzte sich mit Beginn seiner Ausbildung bei Adolf Hölzel im Spätherbst 1913 mit Farbe auseinander. Er übernahm dessen Kontrastfarbenlehre und entwickelte sie in Auseinandersetzung mit Philipp Otto Runges Farbenkugel (1810) sowie musikalischen, theosophischen, astrologischen und symbolischen Ordnungssystemen zu einer Farbkosmologie weiter. Neben abstrakten Gemälden aus vertikalen und horizontalen Streifen entstanden um 1915 Spiralbilder mit Farbabstufungen, die eng in Bezug zu ersten Theorievorstellungen stehen, die er ab 1919 im Bauhaus lehrte. Später wurden seine Werke figürlich, bis er schliesslich zu streng geometrisch-abstrakten Formen zurückkehrte. Die Chronologie unterbrechend stehen sich in einem Raum eine frühe Spirale mit weichen Übergängen und seine letzte abgeklärte Spirale (1967) gegenüber und zeigen Anfangs- sowie Endpunkt seines Œuvres.
Klee fand bekanntlich 1914 auf der Tunisreise erstmals Zugang zur Farbe. Ein Tagebucheintrag, der dieses Initiationserlebnis eindrücklich schildert, ist allerdings nachträglich hinzugefügt worden. Auch er setzte sich mit Runges Farbenkugel auseinander und sah das im inneren Schnittpunkt liegende Grau als Prüfstein farbiger Harmonie an. Ab Frühjahr 1922 stellte er sein dynamisches Farbmodell am Bauhaus vor. Bilder von Farbabstufungen - mit Pfeilen oder anderen Symbolen versehen - fallen ebenso in diese Zeit wie die Darstellung von wachsenden Pflanzen, in Form von übereinander angeordneten farblich nuancierten Blättern. Die Lektüre der hervorragenden Katalogbeiträge erweitert die Schau, die viele Werke aus Privatbesitz und eine Rekonstruktion von Ittens ‹Turm des Feuers›, 1919/20, zeigt.

Bis: 01.04.2013



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Ausgabe 3  2013
Ausstellungen Itten, Klee. Kosmos Farbe [29.11.12-01.04.13]
Institutionen Kunstmuseum Bern [Bern/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Paul Klee
Künstler/in Johannes Itten
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