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3.2013




Zürich : Chavin


von: Dominique von Burg

  
links: Schematische Tempel-Rekonstruktion, Chavín de Huántar, 1. Jahrtausend v. Chr. Bild: Museum Rietberg und ArcTron 3D
rechts: Skulptur eines Vogelkopfes, Chavín, ca. 900-550 v.Chr. Courtesy Ministerio de Cultura del Peru; Museo Nacional Chavín. Foto: Yutaka Yoshii


Haben uns eben noch die Prognosen und Deutungen des Mayakalenders auf Trab gehalten, erschüttert ein Blick zurück in die Anfänge der peruanischen Zivilisation unsere westlich geprägten Vorstellungen einer evolutionären Zivilisationsentwicklung. Das im peruanischen Hochland gelegene Chavín de Huantar gilt als die Mutterkultur aller Zivilisationen der Anden, die zu den ältesten der Welt zählen. Kürzlich gemachte archäologische Entdeckungen offenbarten, dass bereits vor dem vierten Jahrtausend v. Chr. riesige Gebäude für Zeremonien erbaut wurden. Für die archäologische Erforschung der frühen Kulturgeschichte des zentralen Andenraumes ist Chavín der bedeutendste Fundort.
In Zusammenarbeit mit führenden Archäologen und dem peruanischen Kulturministerium präsentiert nun das Museum Rietberg mit neuesten archäologischen Entdeckungen und zahlreichen Steinskulpturen die erste Chavin-Ausstellung überhaupt. 2500 Jahre vor den Inka wurde eine gewaltige Tempelanlage aus tonnenschweren zugehauenen Steinblöcken gebaut, die seit 1985 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Geschmückt war sie mit riesigen Reliefs und steinernen Mensch-Tier-Mischwesen mit Attributen von Raubkatzen, Greifvögeln und Schlangen, die sich noch heute in und an den Tempelgebäuden befinden. Zu übernatürlichen Wesen stilisiert, zieren sie ebenfalls Keramikflaschen, Steinbecher oder Knochenspatel. Der Tempel war weitherum eine bedeutende Pilgerstätte. Unter Muscheltrompetenklängen, rätselhaften Stein­skulpturen und prächtig gekleideten Priestern muss im Tempel die sukzessive Transformation in eine gänzlich andere Welt erfolgt sein. Bei den Zeremonien mochten auch Drogen mit im Spiel gewesen sein. Wer dank seiner privilegierten Stellung in die inneren Labyrinthe vordringen durfte, konnte dem Göttlichen begegnen, wohl in Form der einzig bekannten Götterfigur Perus, die noch an ihrer ursprünglichen Stelle steht, nämlich im Zentrum der Tempelanlage am Ende eines schmalen, dunklen Schachts. Sie stellt ein Mischwesen zwischen Mensch und Jaguar dar und wird wegen ihrer langen, vier Meter hohen und spitz zulaufenden Form «el Lanzon» genannt. In der Ausstellung wird mit einer Art «Sight-and-Sound-Installation» versucht, Chavín de Huantar ganzheitlich erlebbar zu machen. Wir gewinnen eine Vorstellung von einer unfassbar reichen, technisch ausgeklügelten und sprituellen Hochkultur, für die multimediale Megaspektakel absolut kein Fremdwort waren.

Bis: 10.03.2013



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Ausgabe 3  2013
Ausstellungen Chavin - Geheimnisvoller Anden-Tempel [23.11.12-10.03.13]
Institutionen Museum Rietberg [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
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