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Editorial
4.2013





  
TITELBILD · Haris Epaminonda · Chapters, 2013, Still, 16-mm-Film, digital umgewandelt, Vier-Kanal-Videoinstallation, Loop, Sound: Part Wild Horses Mane On Both Sides


‹South of Sun?› Die zypriotische Künstlerin Haris Epaminonda markiert in ihrem Ausstellungstitel eine Denkrichtung, keinen präzisen Ort. Südlich ihrer Heimat? Südlich der Geburtsstätten der europäischen Kultur? Jenseits einer topografisch vermessenen Welt?
Ihr neues Filmepos geht diesem schwer fassbaren Fluchtpunkt nach. Die auf vier Wände projizierten Szenen umspannen globale Kulturräume und Zeiten. So wie sich Geschichte und Geschichten früher über Erzähler und Händler langsam verbreiteten, so sind es hier Schauspieler/innen, die ihre Botschaften in reduzierten Gesten eher andeuten als weitergeben. Einige stehen auf staubtrockenem Boden in gleissender Sonne, andere vollziehen vor weiss getünchten Mauern geheimnisvolle Rituale. Manchmal sind es auch Tiere, denen wir unvermittelt in die Augen blicken. Die Filme wirken wie aneinandergehängte Stills, sie werden verbunden durch ein diffuses Licht: Das Licht des Südens, wenn bei sinkender Sonne ein leichter Dunst Inseln und Festland über dem Meer schweben lässt. Oder das flirrende Mittagslicht, das Farben ausbleicht und jedes Zeitgefühl auslöscht.
In ihrer diffusen Verortung sind Epaminondas Bilder dennoch höchst präzis. Sie weisen auf die Metaebene zwischen den Kulturen und Zeiten. Und sie zwingen uns, dieses Dazwischen mit eigenen Erfahrungen zu füllen. Anders als das punktuelle Wissen, das wir per Tastendruck im Internet abrufen und neu verknüpfen können, fordern ihre Bilder Zeit. Und sie lassen deutlich werden, wie aus einer zufälligen Folge von Szenen und Ereignissen persönliche Verbindlichkeit entsteht. Wie wir den Fluss der uns prägenden Bilder und Vorbilder anhalten, aufladen und zu Standbildern unseres eigenen Denkens und Erlebens machen können.



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Ausgabe 4  2013
Autor/in Claudia Jolles
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