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Besprechung
4.2013


Sonja Gasser :  Eine eindeutige Antwort auf die Frage im Titel bleibt die Sammlungsausstellung im Aargauer Kunsthaus schuldig - das gleich vorneweg. Trotzdem vermitteln die gezeigten Werke verschiedene Ansätze zur Annäherung an die philosophische und ästhetische Frage, was Grau sein könnte.


Aarau : Was ist Grau genau?


  
Maia Aeschbach · Bergbilder, Serie ab 2004, Collage, Graphit auf Papier, DIN A4-A3. Foto: Brigitt Lattmann


Grau kann eine bewusste Farbwahl sein, sich eher zufällig aufgrund des verwendeten Materials ergeben oder durch das wiedergegebene Motiv bedingt sein. So heterogen wie die Gründe für die Verwendung von Grau sind die eingesetzten Malmittel und Materialien sowie die Qualitäten des Farbauftrages: Einmal leicht und hell, ein andermal dunkel und beinahe schwarz, als einzelner Farbton oder in Abstufungen, als homogen ausgearbeitete oder pastos modulierte Fläche, auf flachem Bildträger oder raumgreifenden Objekten. Sind Werke unter diesem Gesichtspunkt in einer Ausstellung vereinigt, drängen sich materielle und technische Aspekte vor inhaltlichen in den Vordergrund.
Mit einem oberflächlichen Blick schweifen wir zunächst durch eine farbliche Einöde. Klaudia Schifferle setzt mit ihrer Malerei ‹Miss ­April - In the Balance› einen Kontrapunkt, indem sie Grau mit einem kräftigen Rot und Blau kombiniert. Diesem knalligen Farbtupfer stehen zurückhaltendere Werke gegenüber, die trotzdem erstaunlich bunt sein können. Hannes Vogel führt in ‹Betongrau sind viele Grau›, 1981, eine ganze Farbpalette von Grautönen vor: Die dezenten Farbabstufungen changieren zuweilen ins Rötliche, Bläuliche oder Gelbliche und zeigen ein Grau mit buntem Eigenleben. Den Effekt verschiedener Abstufungen nutzt auch Peter Stein, der eine Leinwand in vier ungleich graue Quadrate aufteilt. Neben Acryl-, Ölfarbe und Kohle liessen sich Kunstschaffende besonders durch die materiellen Eigenschaften von Graphit inspirieren. Die als Gastkünstlerin beigezogene Maia Aeschbach (*1928) hat intensiv damit experimentiert. Selbst papierene Oberflächen erhalten einen metallenen Schimmer, der bei skulpturalen Werken wie dem ‹Schuppenobjekt›, 2000, Zweifel über die tatsächliche Materialität aufkommen lässt. Ihre mit zerknittertem Papier flachre-liefartig aufgebauten Bergbilder erzeugen den Eindruck von fotorealen Hochgebirgslandschaften. Die Ausstellung vereinigt u.a. Werke von Markus Raetz, Silvia Bächli, Miriam Cahn, Balthasar Burkhard und Helmut Federle. Viele Bedeutungsdimensionen von Grau werden ausgelotet, angesichts der Begrenzung des Themas auf Werke aus der hauseigenen Sammlung sind es dennoch längst nicht alle.

Bis: 28.04.2013


Katalog: ‹Graphit, Milch und Schweinefett›, Maia Aeschbach, Hrsg. U. Aeschbach, B. Lattmann, K. Wittmer



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Ausgabe 4  2013
Ausstellungen Was ist Grau genau? [08.12.12-28.04.13]
Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
Autor/in Sonja Gasser
Künstler/in Klaudia Schifferle
Künstler/in Hannes Vogel
Künstler/in Maia Aeschbach
Künstler/in Markus Raetz
Künstler/in Silvia Bächli
Künstler/in Miriam Cahn
Künstler/in Balthasar Burkhard
Künstler/in Helmut Federle
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